Welt des Kreativen Schreibens – Ein Fernkurs

Ich schreibe leidenschaftlich gerne, habe aber oft das Gefühl, im Wortschlamm und Treibsandsatzgefüge festzustecken, immer die gleichen Wörter und Sätze zu benutzen. Deshalb wollte ich mehr Wissen und know-how, wie ich es besser machen kann, wollte Fehler aufdecken und meinen Schreibstil weiterentwickeln und verbessern.

 

Mir ging es darum, mehr Input zu Technik und Methoden zu bekommen. Vor allem wollte ich aber auch Tipps und Hilfestellungen, wie ich Blockaden (Perfektionismus) und Hemmnisse (Selbstzweifel) überwinde.

 

Ich brauchte also Methoden, die es mir erlauben, meinen kreativen Fluss am Laufen zu halten und nicht immer wieder durch äußere (Arbeit) oder innere (emotionale Befindlichkeit) Umstände gebremst zu werden.

 

Daher entschied ich mich einen Fernkurs zu machen.

 

Warum ein Fernkurs? Weil ich, um kreativ zu sein, eine freie Zeiteinteilung brauche.

 

Ich kann in pädagogischen Situationen auf Knopfdruck höchst kreativ sein, doch wenn es ums Schreiben geht, brauche ich bestimmte Rahmenbedingungen, um in einen Schreibfluss zu kommen.

 

Anbieter und Ort

Mein Freund Google führte mich zu unzähligen Anbietern und ich suchte mir die zwei Größten heraus, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen: ILS (Institut für Lernsysteme) und SGD (Studiengemeinschaft Darmstadt).

 

Beide Anbieter sind sich recht ähnlich, hier eine kurze Übersicht:

  • Arbeitsaufwand: 6 Stunden pro Woche
  • Voraussetzungen: Keine
  • Zertifikat nach Abschluss
  • Dauer: 9 Monate, wobei eine Verlängerung möglich ist
  • 4 Wochen kostenlos testen ist möglich

 

Meine Wahl fiel letztendlich auf die SGD.

Warum? Sie waren zu dem Zeitpunkt 150€ günstiger und der Inhalt hörte sich minimal umfangreicher an.

Übrigens: Der Nachteil bei allen Anbietern ist, dass man über Jahre hinweg nachdem man Infomaterial angefordert hat, Werbung zugeschickt bekommt.

 

Ablauf

Nach einer unkomplizierten Anmeldung werden die ersten drei Studienhefte zugesendet, alle weiteren habe ich je nach Bedarf angefordert und innerhalb von 2-3 Tagen erhalten.

 

Zu Beginn habe ich mir einen Zeitplan erstellt, mit dem ich fortan arbeitete und legte 6-8 Stunden pro Woche (auf 3 Tage verteilt) Schreibzeit fest.

 

Die Studienhefte beinhalten Informationen und Mitmachaufgaben, am Ende werden jeweils drei Einsendeaufgaben bearbeitet und an den zuständigen Mentor geschickt, die die Aufgaben bewerten und als Ansprechpartner für alle inhaltlichen Fragen rund um den Kurs zur Verfügung stehen.

 

Abgewickelt wird das Ganze entweder völlig unkompliziert über wavelearn (Online Campus der Studiengemeinschaft Darmstadt) oder aber ausgedruckt und schriftlich per Post.

 

Inhalte und Beispiele

Erinnerungen und Bilder, Konflikte und Pointen, Clustern und schreiben, Schreibblockaden und Wortmaschinen, Gedankenblitze und Gedichte, Aha-Effekt und Erzählsätze, Storyline und Cliffhanger.

 

Die Mitmach- und Einsendeaufgaben reichten von Gedichten über Songtexte, Kinderreime, kurzen Krimis, Zeitungsartikeln bis hin zur Konzeption einer Fernsehserie.

 

Manche Aufgaben machten Spaß, wie beispielsweise diese hier:

„Der Mensch ist frei, er zahlt für alles selbst.“

­Lassen Sie sich durch diesen Satz von Maxim Gorki zu einem freien Text (200 Wörter) anregen. Bauen Sie in Ihren freien Text den Satz von Gorki ein, indem Sie die Satzteile Der Mensch // ist frei, // er zahlt // für alles // selbst in derselben Reihenfolge, aber an verschiedenen Stellen im Text unterbringen. Heben Sie die jeweiligen Teile des Satzes als Schlüsselwörter hervor.

­Wichtig für diesen Text sind zwei Dinge: Inhaltlich soll es sich um eine Geschichte oder Fantasie zu dem Thema des Satzes handeln. Formal sollen die Schlüsselwörter im Textfluss so erscheinen, dass sie, hinter einander gelesen, den obigen Satz von Maxim Gorki ergeben.

 

Das Ergebnis könnt ihr hier lesen: Vom Menschen im goldenen Käfig

 

Manche Aufgaben lagen mir nicht unbedingt, haben aber meine Denk- und Schreibstrukturen aufgebrochen und einen anderen Schreibstil von mir gefordert.

Dazu zählen zum Beispiel Haikus, die kürzesten Gedichte der Welt. Ohne den Schreibkurs wäre ich nie auf die Idee gekommen, Haikus zu schreiben:

 

Im sterbenden Wald

Blattfärbung an Baum und Busch

Roter Pinselstrich

 

Raureif weiß und kalt

Auf den Blättern und Ästen

Frierende Natur

 

Im grünen Grase

Gelbe Osterglocken

Frisches Erblühen

 

Gedichte sind auch nicht unbedingt mein Fall, am Ende hat es dann aber doch Spaß gemacht, neue Wortkreationen zu schaffen, wie bei dieser Aufgabe hier:

 

Schreiben Sie ein Gedicht über die Jahreszeit, in der Sie sich jetzt gerade befinden. Vergleichen Sie die Vorstellungen von dieser Jahreszeit mit der Wirklichkeit (Beispiel: Sommer – Sonne – Hitze; tatsächlich ist es kühl). Sammeln Sie Nomen, die zu dieser Jahreszeit und Ihrer Befindlichkeit darin passen (Gegensätze? Entsprechungen?), und kombinieren Sie sie. Erzeugen Sie Wörter mithilfe der Wortbildungsmaschinen. Wählen Sie anschließend diejenigen Wörter aus, die Ihnen am besten gefallen. Schreiben Sie diese Wörter auf Papierstreifen und verschieben Sie sie, bis Sie eine befriedigende Reihenfolge gefunden haben. Dann kleben Sie sie auf. Schreiben Sie, wenn Sie wollen, zwischen Ihre Wörter Verbindungstexte. Schreiben Sie anschließend das Gedicht ab und schicken Sie es ein.

Kaltiges Winterzeitgeschehen

 

Das Grünpflanzendickicht verfrostet.

Der Wolkendeckenfluter angeschaltet.

Vermüdend durch Sonnenarmut.

Für Handschuhmacher und Schneeregenschirmmacher eine frohe Zeitgeisterbahn.

Zeit zu mützen, schalen und stiefeln, um nicht zu verfrieren.

Die Glatteismaschine für Rutschvergnügen.

Beulen, Frostbeulen, Frostigkeit – oh du kaltiges Winterzeitgeschehen.

 

Mein Fazit

Wer Hobbymäßig gerne schreibt und seinen Schreibstil gerne weiterentwickeln bzw. verbessern möchte, dem kann ich einen Fernkurs „Kreatives Schreiben“ bei der SGD nur empfehlen.

 

Denk- und Schreibstrukturen wurden aufgebrochen und ich musste mich an unterschiedlichen Textarten und Schreibweisen versuchen, die ich sonst nie in Erwägung gezogen hätte. Wenn ihr beim Schreiben umdenken, andersdenken wollt, dann ist dieser Kurs genau richtig für euch.

 

Der klare Vorteil eines Fernkurses gegenüber einem Kurs vor Ort (bspw. VHS) ist, dass man sich die Zeit selbst einteilen kann.

 

Minuspunkte gibt es für die Studienhefte, die meiner Meinung nach inhaltlich nicht umfangreich genug waren und ich Vieles doch noch recherchieren musste.

 

Jetzt liegt es also an mir, das Gelernte auch in die Praxis umzusetzen. Raus aus dem geschützten Rahmen des Schreibkurses, in dem ich mit Worten gespielt, sie geformt, durch die Welt gewirbelt und sie in neue Richtungen gepustet habe.

 

 

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