Mudgirls

2013 berichtete mir meine Kollegin Verena von den „Mudgirls“, eine Natural Building Collective auf Saltspring Island. Zum einen kann man sie beauftragen, Häuser, Hütten, Zäune, Lehmöfen etc. zu bauen.

Zum anderen bieten sie Workshops an zum Thema „natural building“ (bauen mit natürlichen Stoffen):

„in which we share skills and facilitate the learning of natural building with our participants. We  provide education and community outreach to help spread the natural building and sustainable living movement. We seek to inspire people to think about ancient or new and creative ways to change how we live on this earth. Our aim is to stop harming and start healing the earth and ourselves.“ (Quelle: https://mudgirls.wordpress.com/)

Und weil 2013 mein Jahr war, in dem ich soviel Neues wie möglich lernen und erfahren wollte, dachte ich mir „Da muss ich hin!“

Auf geht’s nach Saltspring Island

Im Juni war es dann soweit und ich machte mich auf den Weg nach Saltspring Island – zur Hippie-Insel, wo auch reiche Vancouverites ihr Wochenendhäuschen haben.

Zunächst ging es mit der Fähre on Tsawwassan nach Vancouver Island und dann weiter mit der Fähre nach Saltspring Island. Zwar ist hitchhiken auf Saltspring Island sehr beliebt, aber der kleine Community Bus stand praktischerweise bei der Ankunft der Fähre gerade da.

Hätte ich den nicht genommen, hätte ich Sophie aus Frankreich nicht kennengelernt, die auch auf dem Weg zum Mudgirls-Workshop war. Sophie hat in Wales Architektur studiert und danach noch eine Handwerker-Ausbildung gemacht.

Wir schlugen unsere Zelte im Garten unserer Gastgeber auf und durften erstmal das wohl natürlichste Essen, das ich jemals gegessen habe, genießen. Auf Saltspring Island ist so ziemlich alles organic. Lebensmittel werden zwar auch im örtlichen Supermarkt gekauft, es wird jedoch sehr darauf geachtet, dass man sich gegenseitig unterstützt und Produkte lokal bei den Ansässigen kauft oder tauscht.

Unsere Gastgeber, ein Pärchen in seinen 30ern und zwei Töchter zwischen 5 und 7 Jahre alt, hatten die Mudgirls beauftragt eine Lärmschutzmauer zur Straße hin zu bauen. Zwar ist Saltspring Island sehr ruhig und friedlich doch die Hauptstraße zum Ort ist stark befahren. Sie wollten eine Mauer aus natürlichen Materialien, einem Torbogen und Glaselemente aus Altglas.

Die Gruppe

Die Teilnehmergruppe war bunt zusammengewürfelt: Unter anderem zwei kanadische Therapeutinnen aus der Großregion Vancouver, eine amerikanische Mutter mit ihrer 7-jährigen Tochter aus Washington, eine reisende Irin, eine kanadische Physiotherapeutin aus Ontario, eine kanadische Kaffeeverkäuferin aus Vancouver, eine japanische Sushi-Chefin, und zwei kanadische Männer, die unter den vielen Frauen manchmal ein bisschen verloren wirkten.

Der eine hat morgens übrigens immer noch schnell ein wenig gearbeitet – und Jingles kreiert 🙂 Jeder hatte andere Gründe hierher zu kommen.

Für viele stand im Vordergrund das Handwerk zu erlernen, andere wollten eine neue Erfahrung machen (so wie ich) und wiederum andere wollten einfach mal raus aus dem Büroalltag und körperlich arbeiten.

Der Bau einer Lehm-Sand-Stroh-Mauer

Eine Lehmmauer zu bauen ist körperlich anstrengende Arbeit! Denn die Lehmmischung haben wir mit unseren Füßen stundenlang gestampft, geschleppt und dann aufgetragen!

Unser Morgen fing mit einem gemeinsamen Frühstück an, Porridge, Brot, Obst, die Mahlzeiten wurden von uns Teilnehmern im Wechsel zubereitet. Anschließend setzten wir uns zusammen, besprachen den Tag und erhielten die wesentlichen Infos, die man über nachhaltiges Bauen wissen muss.  

Immer zu dritt haben wir eine Mischung aus Lehm, Sand, Stroh und Wasser zusammengestellt und dann hieß es erstmal stampfen. Bei anderen Projekten (bspw. Häuserbau) außerhalb der Workshops benutzen die Mudgirls einen Betonmischer, sonst würde das alles viel zu lange dauern.

Sinn hinter dem gemeinsamen Stampfen war der Austausch unter den TeilnehmerInnen. So hatten wir die Gelegenheit uns besser kennen zu lernen und von unseren Erfahrungen zu berichten. Das gemeinsame Stampfen hatte den Effekt, dass man ein tolles Gruppengefühl in nur einer Woche aufgebaut hat. Sicher, die Abende am Lagerfeuer mit den sehr spirituell angehauchten Themen haben da sicherlich auch ihren Teil zu beigetragen 😉

Nach dem Stampfen wurde die Mischung auf die bereits bestehende Grundmauer (wurde bei einem vorherigen Workshop gebaut) aufgetragen und glattgestrichen. Glaselemente wurden hier und da eingesetzt. Molly und unsere zweite Anleiterin (ich habe leider ihren Namen vergessen) haben alles genau geprüft, korrigiert und uns immer wieder darauf hingewiesen, wie die Mischung die richtige Textur hat. Steine hatten darin nichts zu suchen! Die hat man aber leicht gefunden – weil wir die meiste Zeit barfuß gestampft haben 😉

Wie das genau aussah? Jungle Joe hat auf seinem Youtube Channel Videos dazu veröffentlicht – er war total begeistert und beeindruckt! Schaut selbst: https://www.youtube.com/watch?v=emOPY8eh4mM

Unser Lager

Wie vorher schon kurz erwähnt, haben wir in Zelten geschlafen. Im Juni, dachte ich, wär das kein Problem. Doch die Nächte waren sehr kalt und nicht nur ich musste mir eine extra Decke von unseren Gastgebern leihen.

Im Garten gab es ein Outhousebei meiner Reise durch Neuseeland hatte ich mich bereits an solche Toiletten gewöhnt, doch hier war es dann nach einiger Zeit doch ein wenig unangenehm. Das Haus stand erhöht und jeder, der drauf geguckt hat, konnte genau sehen, welches Geschäft derjenige gerade machte – denn es fiel in eine Tonne ungefähr einen Meter darunter.

Tagsüber war es recht warm und bei der körperlichen Arbeit kam man ganz schön ins Schwitzen. Geduscht haben wir uns am Ende des Tages mit dem Gartenschlauch im Garten oder wir sind zu einem nahegelegenen See gefahren und waren dort baden. Ja, so richtig sauber wurde man nicht und die Haut und Haare wurden von Tag zu Tag trockener durch den Lehm (man, hatte ich Haarausfall!). Um ehrlich zu sein, der schönste Gedanke bei meiner Abreise war die Freude auf eine lange, heiße Dusche 🙂

Neues erleben – ein Fazit

Es war eine tolle Erfahrung, ich bin mit Sicherheit an meine Grenzen gekommen bzw. haben sich meine Grenzen erweitert, was das längere Nicht-Duschen und das Öffnen gegenüber Fremden angeht. Neu waren die sehr spirituellen Gespräche für mich. Ich wurde dadurch definitiv inspiriert und habe viele Impulse bekommen.

Neu war für mich der Geschmack des Hühnchens aus Nachbars Garten. Unglaublich lecker, zart, natürlich und rein!  

Und nachdem ich gesehen habe, wieviel Arbeit es ist, habe ich es ausgeschlossen ein eigenes kleines Hexenhäuschen selbst zu bauen – da beauftrage ich die Mudgirls lieber 😉

Mit Sophie bin ich immer noch befreundet, wir haben uns in den letzten Jahren immer wieder mal in Vancouver getroffen, wenn sie gerade da war. Sie hat weiterhin an Mudgirls-Workshops teilgenommen und hier und da mitgeholfen natural buildings aufzubauen.

Wer also mal etwas Neues ausprobieren will und mehr über nachhaltiges Bauen und Leben erfahren will, sollte unbedingt einen Workshop mit den Mudgirls besuchen! 🙂

https://mudgirls.wordpress.com/

Mehr Fotos vom Workshop gibt es auf facebook

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