Von Reizüberflutung über Entschleunigung bis Happiness

In Schweden und Norwegen ging es zunächst weiter wie in den Wochen davor: Schnell und durchdrungen von Reizüberflutung. Im Bulli mit einer Freundin, die mich in Kopenhagen abholte, „rasten“ wir durch die von Birken, Heidekraut und Seen geprägte schwedische Landschaft.

 

Standen in Norwegen bei 8 C° im Schnee (Hardangervidda Nationalpark), bestaunten Wasserfälle in Eidfjord, unter denen man ein Fiedeln des Fossegrim hörte, vielleicht war das aber auch nur Einbildung 😉

 

Übernachteten auf Rastplätzen am Straßenrand, auf Campingplätzen an wunderschönen Seen und eine Nacht im wunderschönen Norra Kvill National Park (Schweden), wo wir morgens in absoluter Stille am See frühstückten und eins waren mit der Natur.

 

Roadtrip-feeling durch und durch.

 

Unterbrochen wurden die Naherfahrungen mit Natur durch Stockholm und Oslo, zwei Städte, die meiner Meinung nach nicht unterschiedlicher sein könnten.

 

Stockholm

 

Schmeckt nach Dr. Pepper

Riecht müllig, nach einer frischen Meeresbrise, nach Pfeife, nach Zimt

Sieht touristisch und monumental aus

Hört sich hämmernd an

Fühlt sich lebendig an

 

Prachtvolle Bauten, aber leider eine immense Geräuschkulisse, Autos und Hämmern immer im Vordergrund. Schade, denn eigentlich macht die Stadt einen recht sympathischen Eindruck, wenn sie nicht überflutet wäre von Touristenmassen.

Touristen gab es auch in Oslo, aber hier fielen sie nicht sonderlich auf. Was auffiel, waren die Stille (was nicht nur daran lag, dass es Sonntag war), viele Elektroautos und die beruhigende Wirkung des Fjordwassers.

 

Oslo

 

Riecht nach kalter, klarer Luft, blumig und kräuterig

Schmeckt nach Chipotle

Fühlt sich herbstlich, angenehm und nach warmen Sonnenstrahlen an

Hört sich sanft und klangvoll an

Sieht grün, liebend und kämpferisch und skulpturistisch aus

 

Oslo ist eine Stadt, die von Skulpturen nicht genug bekommt. An jeder Ecke und vor allem im Vigelandpark erzählen Statuen ihre Geschichte, lachen, lieben, kämpfen. Die Menschen sitzen draußen, genießen den für Skandinavien angenehm warmen Sommertag und hören talentierten Straßenmusikern zu.

Ab hier trennten sich Wenckes und mein Weg, sie fuhr zurück nach Deutschland, ich weiter nach ins schwedische Nirgendwo.

 

Entschleunigung – größer könnte der Kontrast nicht sein

Ich erlebe, was ich bereits einige Male erlebt habe: Nach so vielen Eindrücken, so viel Aktivität und Staunen, komme ich erst einmal nicht zur Ruhe. Kann keinen klaren Gedanken fassen, kann mich kaum konzentrieren. Mein Körper und mein Geist wollen weiter machen wie bisher, konstant beschäftigt sein.

 

Entschleunigung – Tempo rausnehmen aus dem Alltag und neu fokussieren, Schritt für Schritt vorgehen und nicht alles auf einmal erledigen (wollen). Mein Tinnitus meldet sich wieder lautstark, ist nicht zufrieden mit der Stille, von der das Bed and Breakfast umgeben ist, in dem ich für 10 Tage Freiwilligenarbeit mache. Nach einer Woche fällt mir allerdings die Decke auf den Kopf und ich kann es kaum erwarten, wieder in eine Stadt zu kommen 🙂

 

Nicht nur Entschleunigung ist diese Woche ein Thema für mich. Das B&B ist auch ein Spirituelles Zentrum und ich merke, dass meine Auszeit zunehmend auch zu einer spirituellen Reise wird. Ich lerne fernab von Arbeit und Verpflichtungen des Alltags wieder voll und ganz auf meinen Körper und mein Bauchgefühl zu hören.

 

Merke, dass ich im Flow bin, alles ist genau so, wie es sein soll.

Weiß mit absoluter Sicherheit, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

 

Und das Happiness Projekt, an dem ich teilnahm?

Ihr erinnert euch vielleicht: Carol hatte mich im Juni gefragt, ob ich an ihrem Happiness Projekt teilnehmen möchte und ich sagte zu.

 

3 Wochen lang jeden Tag eine Happiness-Aktivität,

positive Affirmationen und Dankbarkeits-Journal

 

…das alles blieb nach knapp zwei Wochen auf der Strecke, weil ich damit beschäftigt war, mein Leben zusammen zu packen und mich mit einem absolut unverschämten Autohändler rumzuschlagen. Die Happiness-Aktivitäten machte ich halbherzig und nur manchmal, die Affirmationen und das Dankbarkeits-Journal vergaß ich komplett.

 

Warum also würde ich mich trotzdem glücklicher einschätzen als vor 8 Wochen?

 

Positive und stimulierende Umgebung

Für mich war es wichtig, raus aus der Umgebung zu sein, die mir nicht gut tat. In Kiel habe ich mich nie wohl gefühlt. Die mürrischen Menschen im Supermarkt, an der Bushaltestelle und vor allem auf der Arbeit, gingen mir einfach auf die Nerven.

Die Menschen, mit denen ich mich in meiner Freizeit umgab, bildeten eine schöne Seifenblase um mich herum, aber das reicht mir nicht. Die Umgebung ist immer da und kann nicht ausgeblendet werden, auch wenn man versucht, sich in eine Seifenblase einzuschließen.

 

Nach dem eigenen Biorhythmus leben

Ich genieße es, ohne Wecker wach zu werden und zack, schlafe auf einmal 8 Stunden und nicht mehr nur 6,5, fühle mich ausgeschlafener und ausgeglichener. Esse, wenn ich Hunger habe und nicht, weil ich zur Arbeit muss oder weil ich gerade Mittagspause habe. Ruhe mich aus, wenn mir danach ist. Kurz: Ich höre auf meinen Körper und mache, was er gerade braucht.

 

Balance zwischen körperlicher Betätigung und Ruhe

Sport, Spaziergang oder körperliche Arbeit – ich brauche es, sonst fühlt sich mein Körper komplett steif an. Auf der anderen Seite brauche ich allerdings auch das Gegenteil – Ruhe, Yoga und Meditation.

 

Zeit haben – Zeit für mich; Zeit, um kreativ zu sein; und vor allem: keinen Zeitdruck haben!

Das habe ich beim Roadtrip vermisst. 24 Stunden mit jemand anderem zusammen sein für eine Woche war eine ganz schöne Herausforderung für mich. Ich brauche ab und an Zeit für mich, um alle Eindrücke und Gedanken zu sortieren.

In dieser Zeit kommen dann auch die Inspiration und kreativen Ideen, die ich brauche, um glücklich zu sein. Und unter Zeitdruck funktioniert meine Kreativität meist eh nicht.

 

Akzeptanz, Vertrauen und flow

Zu wissen, dass alles gerade genau so ist, wie es sein soll, weckt in mir Vertrauen in meinen Weg und meine Fähigkeit, richtig entschieden zu haben. Und wenn der Weg steinig sein  sollte, dann hat auch das eine bestimmte Bedeutung für mein Leben und soll mich etwas lehren.

 

Und, bin ich nun glücklicher?

Zu Beginn des Projektes, wie auch nach 10 Tagen und nach 3 Wochen (Ende des Projektes) sollen die Teilnehmer Fragen beantworten, die den Happiness-Faktor ergeben (-> hier könnt ihr den Test machen: https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2014/nov/03/take-the-oxford-happiness-questionnaire)

 

Mein erstes Ergebnis war 4.69, das nach 10 Tagen runter ging auf 4.62 (in der Woche als herauskam, dass mein Auto nicht repariert werden kann). Nach 3 Wochen vergaß ich den Test und nun, 5 Wochen nachdem ich Kiel verlassen habe, habe ich ein Ergebnis von

 

5.38!!

 

„Very happy. Being happy has benefits beyond simply feeling good. It’s correlated with advantages in health, with better marriages, and with attaining your goals. A base of happiness allows you to broaden and build toward greater success.”

 

Dem ist nichts hinzuzufügen 😉

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.