Vom weglaufen, suchen und treiben lassen

 

Letzte Woche rechnete ich überrascht zurück: Über drei Monate sind bereits vergangen seit ich unterwegs bin. Ich kann es kaum glauben. Manche Tage hatten gefühlt 30 Stunden während andere in einem Blinzeln vorübergingen. Zurückzublicken bedeutete für mich auch, noch einmal zu überlegen, welche Themen aufkamen während meiner Reise und mir fiel auf, dass ich wieder mit zwei Fragen konfrontiert worden war, die mir nicht zum ersten Mal beim Reisen gestellt wurden…

 

„Kann es sein, dass du vor etwas weg läufst?“

Nach meiner Aurlandsdalen-Wanderung traf ich Inger Anita, die ich im Auto mitnahm und die mir im Gegenzug einen Schlafplatz anbot.

Wir „klickten“ sofort und unterhielten uns stundenlang, es war ein toller Abend. Beiläufig erwähnte sie, dass manche Reisende vor etwas davon laufen und schaute mich dabei mit diesem fragenden Blick an.

 

Ich versicherte ihr, dass ich mich mit diesem Thema bereits bei meinem Einwanderungsversuch nach Kanada beschäftigt habe (lest hier Teil 1 , Teil 2 , Teil 3 )

Schon damals konnte ich die Frage mit „nein“ beantworten. Nein, ich laufe nicht weg. Ich laufe zu etwas hin. Hin zu einem Leben, das mir gefällt. Hin zu einem Lebensstil, mit dem ich mich wohl fühle.

 

Übrigens bin ich damit nicht alleine, bei Nomadic Matt gibt es einen sehr passenden Artikel dazu, findet ihr hier

 

Und dann kommt mir ein Gedanke: Würde man eine Zwanzigjährige auch sofort im Verdacht haben, sie laufe vor etwas weg? Würde man nicht viel eher denken, sie wolle die Welt erkunden und Erfahrungen sammeln? Um vielleicht auch einen neuen Lebensort zu suchen?

 

Ist es bei einer Mittdreißigjährigen so schwer zu verstehen, dass sie genau das Gleiche will? Gepaart mit dem Fokus auf ihre Schreibprojekte.

In den letzten Wochen ging es in meinem Leben viel um Akzeptanz. Ein Punkt war zu akzeptieren, dass ich ganz genau weiß, wo ich wohnen möchte. Kanada. Das wusste ich die ganze Zeit über, aber trotzdem habe ich versucht, einen Kompromiss zu finden. Den Kompromiss, in Europa zu leben, um meine Familie mehr als einmal im Jahr besuchen zu können.

 

Manchmal gehe ich mir selbst auf die Nerven bei meiner Geduld und Anstrengung, die beste Lösung zu finden (laut eines Persönlichkeitstests bin ich ein Innovator, die machen sowas ständig…). Aber auch das versuche ich so langsam zu akzeptieren 😉

 

„Bist du auf der Suche nach dir selbst?“

Auf meinen Reisen treffe ich Menschen unterschiedlicher Herkunft, lerne neue Kulturen und Traditionen kennen und neben dem üblichen small-talk („wo kommst du her? Wie lange bleibst du? Wo geht es als Nächstes hin?“) gibt es auch immer wieder Gespräche über die Frage „suchst du nach dir selbst?“

 

Seit „Eat, pray, love“ werden schnell Parallelen gezogen

zwischen Julia Roberts und Frauen über 30, die sich eine Auszeit nehmen und alleine reisen.

 

Nope. Nicht mein Thema. Ich suche mich nicht selbst, ich habe mich schon gefunden.

Dachte ich.

 

Und dann habe ich die Tür zu meinem spirituellen Ich, manch einer würde es esoterisch nennen, weiter geöffnet und zugelassen, dass da Fähigkeiten in mir schlummern, die erforscht und entdeckt werden wollen.

In Schweden half ich für knapp drei Wochen in einem B&B aus, das gleichzeitig auch ein Spiritual Growth Center ist. Dort zu sein und meine spirituelle Seite zu erforschen, hat mich ein ganzes Stück weitergebracht.

 

Ich habe noch mehr gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören, sondern auch mein Unterbewusstsein vor großen Entscheidungen zu befragen.

 

Treiben lassen

Mein spirituelles Ich gibt mir auf meiner Reise das nötige Vertrauen mich treiben zu lassen und zu sehen, wohin mich das Universum schickt.

 

Wenn ich eine Stadt erkundete, dann schaute ich auf einen Stadtplan, suchte mir eine Route und vergaß sie wieder sobald ich nach draußen ging. LOL.

Nach einiger Zeit hörte ich auf, mir eine Route zurecht zu legen und lief einfach drauf los. Und kam genau an den Sehenswürdigkeiten heraus, die in jedem Reiseführer stehen.

 

Es gab immer wieder Zeichen, dass ich im Fluss des Universums schwimme.

Alles ist gut so, wie es ist.

 

Deshalb dachte ich mir, ich schicke ein paar Nachrichten an Helpx und Workaway Hosts und schaue, was passiert.

Dabei versuche ich die Anzahl der Kriterien so gering wie möglich zu halten:

  • Sonnig
  • Einigermaßen warm
  • Nicht zu isoliert (mind. Kleinstadt in direkter Nähe)
  • Günstiger Flug 😉

 

Ich schrieb ca. acht Hosts auf den Kanaren an. Nur eine Rückmeldung und kein Interesse.

Auf meine Anfragen für Lissabon und Malta habe ich zum Teil eine Antwort erhalten, allerdings ist auch hier noch nichts fest vereinbart.

 

Stattdessen bekam ich immer wieder Anfragen aus Italien…obwohl ich das gar nicht als Ziel angegeben hab. Es fing mit Sardinien an, dann Sizilien und nach der fünften Anfrage überlege ich nun, ob ich einer Stelle in der Nähe von Florenz zusagen soll….

 

Wie ihr seht, es ist alles noch ein wenig verworren und nur sehr grob geplant.

 

Vor ein paar Jahren noch hätte mich das wahnsinnig gemacht,

nicht zu wissen, wo ich in 2 Wochen sein werde.

 

Aber aus irgendeinem Grund, weiß ich, dass sich alles irgendwie regeln wird. Mein spirituelles Ich drängt mich jeden Tag dazu, auf meine Intuition zu hören.

Und das mache ich, vertraue und lasse mich treiben – wie die bunten Herbstblätter im manchmal etwas stürmischen Herbstwind – und werde vor einer Tür landen, die sich urplötzlich öffnet.

 

Dann werde ich mit einem Lächeln hindurchgehen und die Sonne genießen, die dahinter liegt 🙂

 

 

 

 

 

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