Vom Menschen im goldenen Käfig

„Der Mensch ist ein seltsames Wesen“, erklärte die Eule.

„Er ist frei in seinen Gedanken. Frei in seiner Leidenschaft. Er kann sich frei bewegen, tut es aber nicht.“

 

Theatralisch riss sie die Augen noch ein Stückchen weiter auf.

 

„Denn er ist getrieben von seinen Bedürfnissen. So wie du, Herr Fuchs, wenn du des Nachts des Bauern Hühner rupfst. Doch hat der Mensch einen anderen Hunger. Es ist der Hunger nach Macht und Gold, die ihn in einen Käfig sperren, aus dem er nicht wieder heraus möchte. Der Mensch glaubt, reich zu sein, umgeben von seinen goldenen Stäben.“

 

Ein Raunen ging durch die Menge. Flüsternd fragten sie einander, wie man so dumm sein könne, sich freiwillig in einen Käfig sperren zu lassen, wussten sie doch alle, dass das den Tod bedeutete.

 

„Er zahlt mit dem Leben seiner Seele, schenkt ihr keine Beachtung und lässt sie verkümmern. Tauscht sie ein gegen die Freude an den winzigen Sternen, die des Nachts an der Oberfläche des Teiches ihr Spiel treiben.“

 

Gebannt lauschten die Tiere dem Vortrag der Eule.

 

„Für alles Gegenständliche opfert er sich auf und vergisst den Blick auf die Welt hinter dem Horizont und in sich hinein auf sein Selbst zu richten, um seine Seele zu nähren.“

 

Die Eule schloss die Augen. Ihre Zuhörer erwachten aus ihrer Starre, blinzelten und gingen ihres Weges, hinein in die sternenklare Nacht.

 

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