TONGA

Als ich 2011 in Neuseeland war, entschied ich mich eine der Inseln im Südpazifik zu besuchen. Ich war nicht sicher, wann ich wieder auf der anderen Seite der Welt sein würde, also nutzte ich diese Chance.

Ein Freund von mir, Konny, und ich schauten nach Flügen und entschieden uns für Tonga. Ich habe mir nicht viele Gedanken gemacht. Ich dachte nur an weiße Strände und türkisfarbenes Meer.

Leider gab es nicht die weißen Sandstrände, die ich erwartet hatte, weil Tongatapu Island von einem Riff umgeben ist. An einem Nachmittag brachte uns Mele zu einem nahe gelegenen Strand, aber es war Ebbe, so dass ein Bad im Meer ein paar offene Wunden und Blutströme nach sich gezogen hätte durch das Schwimmen (oder kratzen) über dem Riff 😉

Eintauchen in eine komplett andere Welt

Als Konny und ich auf Tongatapu ankamen, war ich total überwältigt von dieser komplett anderen Welt, in die wir eintraten. Mele, die Besitzerin des Oceanside Guest House, holte uns vom Flughafen ab.

Der Weg zum Gästehaus in Afa Village war ziemlich holprig, überall waren Löcher in den Straßen und Autos versuchten drumherum zu fahren. Ich fragte mich warum chinesische Arbeiter die Straße reparieren und bauen. “Das Königreich Tonga ist sehr arm und deshalb haben wir ein Abkommen mit China. Sie senden uns chinesische Arbeiter, die dabei helfen Straßen zu bauen” erklärte Mele.

CIMG4697

Sie zeigte uns das Gefängnis und erwähnte dabei, dass es leicht passiert, dass ein Gefangener ausbricht. “Was sollen sie schon machen? Die Insel ist klein. Sie besuchen ihre Familien und am nächsten Tag holt die Polizei sie ab und bringt sie wieder zurück ins Gefängnis” erklärte sie.

Außerdem empfahl uns Mele, nicht im Wald spazieren zu gehen. Wir würden deutlich als Touristen herausstechen und nicht dass schon mal Touristen etwas passiert wäre, aber wir sollten es doch besser vermeiden.

 

CIMG4736Die Armut auf Tongatapu Island war offensichtlich. Je weiter wir uns von der Stadt entfernten, desto mehr Häuser mit Wellblechdächern sahen wir. Manche hatten nicht mal eine Tür, sondern nur ein Wellblech vor dem Hauseingang damit die Schweine nicht reinliefen.

Ich war noch nie in in solch einem armen Land gewesen und am ersten Tag hatte ich schon ganz schön mit mir zu kämpfen. Ausbrechende Gefangene und nicht mal spazieren gehen können – ich habe mich schon recht unsicher gefühlt.

 

Es war eine ganz andere Welt als die, die ich kannte und die hohen Temperaturen haben auch nicht gerade geholfen. Von 15°C in Neuseeland zu feuchten 30°C – mein Körper mochte das gar nicht. Ich erinnere mich, dass ich den ersten Tag im Schatten verbrachte, mein Buch las und versuchte nicht auszuflippen. Heute, ein paar Jahre später, würde ich sagen, dass dies eine meiner wichtigsten Reisen bisher war, weil sie mich verändert hat.

Anekdote mit Augenzwinkern

Eines Abends fragte Mele ihre Nichte und ihren Neffen, ob sie für uns singen und tanzen könnten. Beide ungefähr Anfang 20. Also tanzte ihre Nichte und ihr Neffe spielte Gitarre und sang ein paar traditionelle polynesische Lieder. Es war wundervoll!

Aber ich bin mir immer noch nicht 100% sicher, ob ihre Performance etwas damit zu tun hatte, dass sie auftraten nachdem Mele rausgefunden hatte, dass Konny und ich nicht verheiratet und nichtmal einmal zusammen sind, sondern einfach nur Freunde seit Jahrzehnten.

Vielleicht wollte Mele uns auch einfach nur unterhalten, weil wir die einzigen Gäste für ein paar Tage waren. Also sagen wir einfach mal, sie wollte das Beste für ihre Gäste 😉

Kulinarisches und kulturelles entdecken und erforschen

Jeden Morgen bekamen wir frisch gebackenes Brot (lecker!!) und frische Wassermelone, Bananen, Ananas und Papaya.

Am Abend haben wir meistens frischen Fish gegessen. Ich war vorher nie ein Fan von Muscheln, aber die Art und Weise wie Mele sie zubereitet hat (mit Kokosmilch und Zwiebeln) war mega lecker.

Mele nahm uns auch zum Fischmarkt mit und zeigte uns, wo sie den Fisch und die Muscheln für das Abendessen kauft.

Ich war nicht gerade begeistert als ich sah, dass der Fisch und die Muscheln nicht in einem Kühler oder auf Eis gelagert wurden. Aber wir hatten vorher schon Fisch von hier gegessen und hatten keine Lebensmittelvergiftung. Also schätze ich mal, dass man Meeresfrüchte und Fisch eine zeitlang so lagern kann bei 30°C…

CIMG4682CIMG4683

Eines Abends fragte Konny Mele, ob wir ein traditionelles Essen mit ihr und ihrer Familie haben könnten. Zu diesen Zeitpunkt war ich mir nicht ganz sicher, ob die Frage angebracht war und ich war auch nicht unbedingt offen, ein typisches polynesisches Essen zu probieren. Im Nachhinein bin ich mega froh, dass er gefragt hat, denn Mele und ihre Familie fühlten sich sehr geehrt, dass wir mehr über ihre Welt und Traditionen wissen wollten.

Zuvor hatte sie noch nie jemand gefragt. Sie waren so aufgeregt! 🙂

Wir haben also ein traditionelles Hangi gemacht, es wird ein Loch in den Boden gegraben, heiße Steine werden reingelegt und dann ein Feuer darüber entfacht. Ich weiß den Namen des Gerichts leider nicht mehr, aber es bestand aus Corned Beef, Zwiebeln und Kokosnuss und war in grüne Blätter eingewickelt. Die kleinen Blattpäckchen wurden auf die heißen Steine gelegt und zwei Schweine wurden auf zwei Stöcken aufgespießt über dem Feuer stundenlang gegrillt.

CIMG4708CIMG4710

CIMG4707

CIMG4709

 

 

Es war großartig!

Nicht jeder sprach enlglisch, also übersetzte Mele.

Dabei habe ich erfahren, dass Tongaer 6 Tage die Woche arbeiten und sie lange Pausen haben oder einfach sehr langsam arbeiten. Sonntags gehen fast alle immer zur Kirche. Mele erklärte, dass der Grund hierfür ist, dass sie nicht wissen, was sie sonst an ihrem freien Tag machen sollen. Also treffen sich alle in der Kirche und feier über Stunden.

Meles Familie beschrieb die Tongaer als sehr glückliche Menschen trotz all der Armut.

Das Abendessen ging über Stunden und wir redeten und lachten und an diesem Abend hatte ich einen Moment, in dem ich dachte “Sei nicht noch einmal so. Wenn Konny nicht gefragt hätte und nicht einen Schritt auf eine andere Kultur zugemacht hätte, dann würde ich hier heute nicht sitzen und einen der besten und unvergesslichsten Abende haben”.

Es ist nicht so, dass ich vorher nicht offen war. Aber in dieser speziellen Situation –überwältigt von soviel Unterschied – wusste ich einfach nicht, wie ich mich verhalten, wie ich reagieren sollte. Heute würde ich jederzeit fragen – egal wann, egal wo. Und dann kommt es auf den Gefragten an, ob er/sie mir antwortet.

Die wichtigste Lektion, die ich hierbei gelernt habe

Wenn ich – aus welchen Gründen auch immer – gerade zu unsicher oder ängstlich bin in eine neue Welt einzutauchen, dann lasse ich mich an der Hand nehmen und gehe einfach mit auf Entdeckungsreise!

Heute, 5 Jahre später, habe ich das Gefphl, ich bin diejenige, die andere an der Hand nimmt 😉

Doch es wird immer unvorhersehbare und unbekannte Situationen geben, die unangenehm sind oder dich unsicher machen. Also streck deine Hand aus und lass dich von einem neugierigen, mutigen Freund/Freundin in fremde Welten entführen! 😉

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.