Terry (3/3)

“Wir werden heiraten!”

Zwei Jahre nachdem ich mich geoutet habe, habe ich mich in einen Typen aus Chile verliebt und wir waren 13 Jahre zusammen. Ich glaube an lange Romanzen. Ich glaube unser Durchschnitt ist weitaus besser als der von hetero Männern (lacht).

Nach 13 Jahren mit meinem Exfreund stellte sich heraus, dass er einer der Typen war, dem es nichts ausmachte mit anderen rum zu machen. Wir hatten eine relativ offene Beziehung, aber mehr im normalen Sinne als die “mit anderen rum machen” – Beziehung. Er zog weg und ich war auch bereit zu ihm zu ziehen. Also habe ich meine ganzen Sachen gepackt und dann hat er mich angerufen und sagte, dass er es dort nicht mag und dass er nach Hause kommen würde. Er blieb ein paar Monate und dann entschied er, wieder weg zu ziehen.

Und wieder packte ich meine Sachen, bereit zu ihm zu ziehen. Dann rief er mich an “Ich komme morgen nach Hause”. In der Zwischenzeit ließ er mich zurück mit Rechnungen zahlen, Wohnung zahlen, niemanden, mit dem ich geschlafen habe und schließlich traf ich Matthew. Der wundervollste Mensch in der Welt. Es ist ein Schatz!

Aber zu der Zeit war ich immer noch mit meinem Ex-Freund zusammen und wir hatten Urlaub geplant. Wir hatten einen wundervollen Urlaub! Aber als wir nach Hause kamen, wer hat uns da am Flughafen erwartet? Ein sehr guter Freund und Matthew. Mein Ex-Freund hatte einen Verdacht, dass etwas vor sich ging und ich war ziemlich ehrlich zu ihm. Er war nicht geschockt. Ich glaube, er hatte realisiert, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Ich brauche jemanden in meinem Leben, der nicht durch die Weltgeschichte wandert.

Meine Familie war also immer ok damit, dass ich schwul bin. Sie waren auch damit einverstanden, dass mein Ex-Freund Chilene ist. Es gab kein Problem damit.

Doch dann haben wir Matthew vorgestellt. Er ist Ureinwohner (First Nations) und die Tatsache, dass Matthew und ich einen Altersunterschied von 30 Jahren haben hat meine Familie in einen großen Schock versetzt. Der Altersunterschied war also Grund Nr. 1. Und “Ureinwohner” war für manche Leute Grund Nr. 2. Das Stigma der Ureinwohner in Kanada ist, dass viele von ihnen faul seien und nicht arbeiten, was ein bisschen eine Lüge ist, weil sie nicht alle so sind. Der weiße Mann ist genauso schlimm.

Also meine Tochter hat es nicht so gut aufgenommen. Meine älteste Tochter hat sich auf facebook mit Matthew angefreundet und sechs Wochen später hat sie ihm eine Nachricht geschickt, dass ich ekelhaft sei, weil ich mit einem kleinen braunen Jungen zusammen lebe. Die Tatsache, dass ich einen 30 Jahre jüngeren Mann heiraten werde, fand meine Tochter also ekelhaft. Da hat sie sich komplett abgewendet. Einfach so.

Er (Matthew) hat alles mitgelesen, weil wir zusammen saßen als ich es las. Natürlich sind Matthew Tränen über das Gesicht gelaufen, denn er hat keine Familie mehr außer einer Schwester. Keinen Vater, keine Mutter. Und er hatte gedacht “Vielleicht habe ich eine Familie gefunden”.

Ich habe dann eine Nachricht von meiner jüngsten Tochter bekommen, die ich seit vier Jahren nicht gesehen habe. Sie hatte sich von mir abgewendet wegen meines schwulen Lebensstils.

Mein schwuler Lebensstil ist wirklich nicht anders als der von anderen. Mein schwuler Lebensstil besteht aus “Ich bin schwul”, das ist alles. Ich bin nicht anders als vor 30-40 Jahren. Ich bin immer noch der Typ. Die meisten Menschen wissen überhaupt nicht, dass ich schwul bin.

Aber größtenteils werden Matthew und ich akzeptiert, es ist großartig. Wir haben zusammen vermutlich gemeinsame 190 Freunde auf facebook, die uns sehr unterstützen.

Matthew ist der Mensch, der mir am Nächsten ist.  Wir sind verlobt und werden im Frühling heiraten!

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