Rückkehrer: Jenny

Wo im Ausland und wie lange hast Du dort gelebt?

Ich habe 2 Jahre in Australien gelebt, hauptsächlich in Cairns und WA.

Was war dort anders?

Eigentlich alles. Wetter, Natur, Wildlife und Kultur. Die Menschen sind freundlich und man wird sehr offen willkommen geheißen. Nichts scheint ein Problem zu sein, der Spruch “no worries”, den die Australier andauernd benutzen, ist definitiv auch das Lebensmotto. Man bekommt viel mehr Chancen, gerade beruflich. Wenn du etwas machen willst, geht es eher um Motivation und Selbstvertrauen als um einen lückenlosen Lebenslauf.

Alles klappt viel unbürokratischer, davon könnten wir Deutschen uns ruhig mal eine Scheibe abschneiden! Ich empfand auch die Lebensmittelversorgung besser, man lebt mehr vom Land, kauft lokal, Massentierhaltung gibt es kaum, viele sind Selbstversorger. Lebensmittel im Supermarkt sind teilweise wesentlich teurer als bei uns, besonders Milchprodukte. Elektronik ist dafür etwas günstiger.

Alles in allem ist es für mich mein Traumland und in den letzten Jahren auch zu meinem Zuhause geworden. Die Sonne, die einzigartige und atemberaubende Tierwelt, die Entspanntheit der Menschen und die Möglichkeiten, die man hat: all das macht diesen kleinen Kontinent so besonders und bietet eine unbeschreiblich hohe Lebensqualität für die Menschen, die auf ihm leben.

Wie war es für Dich als Du zurück nach Deutschland kamst?

Ich bin in den letzten 6 Jahren 3 mal bereits wieder nach langem Auslandsaufenthalt zurückgekommen, einmal Davon auch aus Australien und ich kann sagen, dass es immer wieder sehr sehr schwer ist. Ich benötige im Durchschnitt ein Jahr um mich wieder hier einzuleben. Meistens halte ich es nicht lange aus (so wie auch dieses Mal) und es verschlägt mich wieder ins Ausland (jetzt geht es nach Kanada).

Mir persönlich ist hier alles zu kompliziert, es gibt sehr viele Regeln, die Menschen sind oft so mit sich selbst beschäftigt, dass man sich viel zu wenig Zeit für Gespräche mit Nachbarn, Familie oder auch Fremden nimmt, selbst ein “Hallo” ist manchmal schon zu viel verlangt.

Ich bin sehr depressiv geworden, so geht es leider vielen, wenn sie zurückkommen. Auch wenn es schön ist, Familie und Freunde wieder zu sehen, man verändert sich so sehr, dass sich auch teilweise Freundschaften ändern oder zerbrechen.

Was hast Du an Deutschland schätzen gelernt?

Auf jeden Fall hat mir das Essen gefehlt. Guter Käse und vor allem Quark! Auch das gute Gesundheitssystem hat mir gefehlt, ich war leider oft krank und da ist man hier in Deutschland doch einfach gut versorgt, die Ärzte sind gut ausgebildet und es gibt viele Spezialisten.

Australien ist in vielem noch sehr hintendran, gerade im Bereich Bau, erneuerbare Energien und im Gesundheitswesen, aber auch in vielen anderen Bereichen. Auch das kostenlose bzw. kostengünstige Bildungssystem in Deutschland ist einfach spitze. In Australien ist das  Studieren teilweise sehr, sehr teuer!

Was vermisst Du aus Deiner Zeit im Ausland?

Australien ist für mich nicht mehr Ausland sondern Zuhause und auch wenn es für mich derzeit kein passendes Visum gibt, mein Traum ist und bleibt dort ganz zu leben. Mir fehlen meine Freunde, die Einstellung, die Sonne, die Unbeschwertheit, mein Leben auf der Farm und einfach diese Weite. Es ist unbeschreiblich, wie sehr man sich in ein Land verlieben kann und für mich ist Australien meine ganz große Liebe!

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