Negative Bewertung – schreiben oder nicht schreiben?

Couchsurfing, Helpx und Co.

Seit Juli war ich wieder viel auf Plattformen wie helpx, workaway und couchsurfing unterwegs. Bei Reisen mit niedrigem Budget und wenn man Länder wirklich kennenlernen möchte, dann sind Freiwilligenarbeit (www.helpx.net und www.workaway.info) und Couchsurfing tolle Optionen!

Generell habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht, doch gab es zwischendurch auch negative Erlebnisse und in solchen Fällen stellt sich dann die Frage:

 

Negative Review – schreiben oder nicht schreiben?

 

Beide Parteien sind auf positive Stimmen angewiesen

Für beide Parteien ist das gleichermaßen ein Problem.

Gastgeber möchten keine unzuverlässigen, faulen Helfer oder Couchsurfer, die dreckig und betrunken den Kühlschrank leer essen.

Helfer möchten wiederum nicht ausgebeutet werden und Couchsurfer schlafen nur ungern unerwartet auf dem Balkon.

 

Helpx/Workaway

Beides lässt sich leicht in der Bewertung herauslesen und Letzteres ist mir sogar auch passiert…in Amsterdam, mit einer Helpx Gastgeberin. Immerhin hat auf dem Balkon eine Couch gestanden, umringt von Cannabis-Pflanzen und musikalisch untermalt mit dem stetigen Brummen der Autobahn.

Für manch einen mag das traumhaft klingen ‚umringt von Cannabis-Pflanzen‘, ich war nach kurzer Zeit einfach nur genervt von dem Geruch.

 

Die GANZE SITUATION  war einfach nur nervtötend.

 

Die Tage zuvor hatte ich bereits wenig Schlaf bekommen, da ich auf eine Matratze im Wohnzimmer (hinter einem Vorhang, um ‚mehr Privatsphäre zu haben‘) verfrachtet wurde.

Die wohlbesagten Cannabis-Pflanzen hat meine Gastgeberin übrigens zu Öl weiterverarbeitet und konsumiert.

 

Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen GELEGENTLICHEN Konsum, mein Arzt hätte mir das Öl sogar noch letztes Jahr noch verschrieben, wenn es in Deutschland zulässig wäre. CBD-Öl hilft nämlich auch beim Nichtrauchen, weil es entspannend wirkt.

 

Meine Gastgeberin machte gerade eine schwierige Zeit durch und ich nehme an, sie nahm ihr Öl scheinbar jeden Tag. Insgesamt machte sie auf mich einen extrem verlangsamten und verpeilten Eindruck. Wir mussten mehrmals auf einem Grundstück außerhalb der Stadt aufräumen, jedes Mal bat sie mich zu fahren, da sie während der Fahrt Emails schreiben wollte.

Das letzte Stück durch den Ort fuhr sie dann und ich wundere mich noch heute, dass sie bisher noch niemanden totgefahren hat.

 

Naja, uns beide fast, an meinem letzten Abend. Zuvor hatte sie, wieder einmal, ihre Tropfen genommen, trank beim Abendessen ein Bier und auf der Rückfahrt zu ihrer Wohnung FUHR SIE AUF DER AUTOBAHN ZWEIMAL RICHTUNG LEITPLANKE.

 

„Soll ich weiterfahren?“

„Ja, das wär gut, ich bin schon zweimal eingeschlafen“

WTF?!

 

Doch an den nächsten paar Nothaltebuchten fuhr sie vorbei, bat mich stattdessen sie wachzuhalten und wollte erst an der nächsten Tankstelle anhalten.

Ihr könnt euch meinen lauten und bestimmenden „erzähl mir dieses und jenes“ Ton vorstellen.

 

Wir sahen also die Tankstelle, fahren ab und sie legt auf der Ausfahrt eine Vollbremsung hin…

„Oh, stimmt ja, Automatik, war die Bremse nicht die Kupplung“

 

Da war selbst sie für die nächsten 5 Minuten wieder vollends wach und das Adrenalin rauschte durch unsere Körper.

Ich war so sauer. Sauer auf sie, dass sie uns beide in Gefahr gebracht hatte. Sauer auf mich, dass ich sie fahren lassen habe, weil ich in dem Glauben war, sie habe ihren Drogenkonsum im Griff.

 

Meine Gastgeberin ging durch eine schwierige Phase und war generell nett,

aber reicht das aus für eine positive Bewertung, wenn sie uns fast umgebracht hätte?

 

Selbst wenn ich beides, sowohl gutes Feedback als auch Kritik, in ihrem Profil schreiben würde, würde sie dadurch weniger Helfer bekommen. Oder, wer weiß, sogar noch mehr, weil sie ihre Pflanzen (und andere Schätze im Kühlschrank) gerne teilt.

Ich habe entschieden gar keine Bewertung zu schreiben.

 

Couchsurfing

Und ärgere mich gerade, dass ich nicht das gleiche bei einem Couchsurfing Host 2016 (interessant, das war auch in Amsterdam) gemacht habe.

Mein Couchsurfing Hoste hatte mich vorab gewarnt, dass er ‚seine Putzfrau vor Kurzem gefeuert habe‘, dementsprechend sei es nicht ganz so sauber. War mir und meiner Freundin erst einmal egal, weil wir uns den ganzen Tag Amsterdam angucken wollten. Wie sehr man sich irren kann…

 

Die Wohnung sah aus als hätte er seit Wochen nicht geputzt.

Sehr dreckig, überall Hundehaare, einfach ekelhaft.

Wir waren beide froh, dass wir Schlafsäcke dabei hatten.

 

Der erste Abend war ganz nett. Wir saßen mit unserem Gastgeber und einem Freund von ihm auf er Dachterrasse. Eigentlich wollten wir früh ins Bett, aber die beiden redeten und redeten. Redeten auch über dubiose Geschäfte, die sie machten.

Am nächsten Tag liefen wir 11 Stunden durch die Stadt und waren abends dementsprechend todmüde. Unser Gastgeber war alles andere als erfreut darüber. Er hatte damit gerechnet, dass wir die ganze Nacht feiern und trinken gehen.

 

Es ist immer einfach, wenn etwas KOMPLETT SCHIEFGEHT. Aber was, wenn es so ein Zwischending ist?

Wenn man eine schlechte Bewertung abgibt, riskiert man natürlich selbst eine, weil der Gastgeber sich ungerecht behandelt fühlen könnte. Dann gerät man in Erklärungsnot.

Bisher habe ich noch keinen „richtigen“ Weg gefunden. Glücklicherweise habe ich aber auch noch nicht so viel Erfahrung mit negativen Erlebnissen gemacht, dass ich darin Übung hätte 😉

 

Wie sind eure Erfahrungen?

Schlechte Bewertung schreiben – ja oder nein?

 

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