Luna: „Shanghai ist schön, modern, aber auch sehr anders“ (1/2)

Ich bin in Deutschland aufgewachsen, habe vietnamesische Wurzeln und studiere Wirtschaftskommunikation Chinesisch. Deswegen mussten wir in ein chinesisch sprachiges Land, um die Sprache zu lernen.

 

Schreiben und lesen ist schwer, aber sprechen fällt mir nicht so schwer, weil vietnamesisch und chinesisch sich von der Tönung her ähnelt. Im Vietnamesischen gibt es fünf oder sechs Töne und in der chinesischen Sprache gibt es drei Töne.

 

Ich dachte, Shanghai wäre eine gute Wahl, weil es sehr westlich ist. Ich war dort für ein Auslandssemester.

 

Zwar war ich auch in anderen Städten wie Peking, da merkte man ein bisschen den Unterschied. Sie sind dort traditioneller und wenn man eine andere Sprache spricht, dann gucken sie „oh sie sieht asiatisch aus, aber spricht kein chinesisch“.

Und in Shanghai ist es anders. Man kann jede Sprache sprechen und wird von den Chinesen nicht angegafft. Sie wissen, dass dort viele Ausländer sind.

 

Shanghai ist schön und sehr modern. Die hohen Gebäude hauen einen um, weil man es hier in Bayern nicht so kennt. Leider fährt die U-Bahn ab 22:00Uhr nicht mehr. Dafür ist das Gute an der Stadt ist, dass die Geschäfte von Montag bis Freitag bis 23:00Uhr auf haben.

 

Über die vietnamesische und chinesische Mentalität

Shanghai ist sehr anders. Ich dachte eigentlich, dass ich gut damit klar kommen würde, weil Vietnam direkt neben China ist und die Konfuzius Philosophie dort sehr viel Einfluss hat.

 

Aber ich glaube, Chinesen sind noch eine Spur ‚härter‘. Ich empfand die Menschen in Shanghai als nicht gerade freundlich, auch nicht gegenüber Ausländern.

 

In Vietnam habe ich es immer erlebt, dass wenn Deutsche zum Beispiel dort sind, sie ganz anders behandelt werden wegen ihrer blonden Haare und der weißen Haut. Sie haben dort einen besonderen Status, man starrt sie an und behandelt sie höflicher.

 

In Shanghai machen sie keinen Unterschied, das finde ich nicht schlimm.

 

Auch das ‚Schleim aus dem Hals holen‘ und rülpsen ist normal dort. Wenn sie niesen, dann drehen sie sich nicht weg oder halten den Ellenbogen davor. Sie niesen einfach geradeaus.

 

Mit der Zeit gewöhnt man sich ein bisschen dran.

 

Kulinarisches: Öl, Öl und noch ein bisschen mehr Öl

Gekocht habe ich nicht viel, ich war immer draußen essen. Vor unserem Wohnheim gab es immer Streetfood Stände, aber chinesisches Essen ist nicht so meins.

 

Typisch chinesisches Essen ist öliges Essen. Überall kommt Öl rein, auch in weißen Reis. Es schmeckt fad, ist frittiert oder einfach nur in Öl gebadet. Selbst gekochtes Gemüse ist mit Öl garniert.

In Bayern, wo ich herkomme, isst man deftiger und salziger und das hab ich total vermisst.

 

„Abstand halten und Privatsphäre kennen sie nicht“

Wenn die Metro ankommt, dann lassen die Leute die anderen nicht aussteigen, sondern sie drücken direkt rein. Ich bin schon ein paar Mal nicht mehr raus gekommen. Sobald die Tür aufgeht, haben sie Angst, nicht in die U-Bahn reinzukommen.

 

Klar, bei so vielen Menschen ist das einerseits verständlich, aber andererseits läuft die U-Bahn nicht weg. Ich musste mich sehr oft durch Menschenmassen durchkämpfen, was sehr anstrengend war.

 

Mir war nicht bewusst, dass sie es mit der Privatsphäre

nicht so genau nehmen, das war mir ganz neu.

In der U-Bahn zum Beispiel schauen sie Videos ohne Kopfhörer, sie schauen es lautstark. Das fand ich komisch. Es ist ihnen nicht unangenehm, dass andere Leute mitgucken. Es waren keine peinlichen Videos, aber trotzdem möchte ich nicht die ganze Aufmerksamkeit auf mich ziehen durch Videos anschauen.

 

Wenn man in der U-Bahn sitzt, egal wie wenig Platz noch ist, die quetschen sich rein. Oder sitzen dann mit dem halben Po auf der Bank.

Wenn man Leute anrempelt, ist das normal und sie entschuldigen sich nicht.

 

Privatsphäre kennen sie nicht. Beim Einkaufen stehen die Menschen ganz nah an dir dran, Abstand halten kennen sie nicht. Ich habe mich so gefreut, wieder hier in Deutschland zu sein. Als ich am Flughafen ankam, und egal wie voll es war, die Leute haben Abstand gehalten.

 

Kundenservice

Es heißt ja, die Chinesen haben eine gute Arbeitsmentalität, also dass sie sehr fleißig sind und ich finde das stimmt. Sie haben von Montag bis Sonntag geöffnet (von 10:00 bis 22:00 bzw. 23:00Uhr), aber andererseits arbeiten sie auch nicht nach 22:00Uhr.

 

Zum Beispiel beim Taxifahren in Qingdao: Meine Freundin und ich waren am Strand und wir wollten nach Hause fahren und haben versucht ein Taxi anzuhalten. Da haben sie gesagt „Nee, es ist jetzt Essenszeit, ich kann euch nicht nach Hause fahren“.

Wir haben wirklich fast zwei Stunden gebraucht, um ein Taxi zu bekommen!

 

Sie halten also ihre Arbeitszeiten sehr strikt ein. Wenn in Deutschland zehn Minuten bevor das Geschäft schließt, ein Kunde rein kommt, dann nervt das vielleicht, aber sie bedienen einen trotzdem noch.

In China scheuchen sie den Kunden direkt raus. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen dann „Nee, raus hier, wir schließen gleich“.

 

Die Höflichkeit ist in Deutschland einfach besser. Als ich hier zur Bank bin, war ich so glücklich als die Dame dort sagte „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ und „Danke“ und „Auf Wiedersehen“.

In China machen sie das nicht.

 

Coming soon: Teil 2 „Soziale Medien in China? Kaum eine Chance!“

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