Leila (1/3) „Da sind Hühner durch’s Krankenhaus in Ghana gelaufen“

Das „Selber-Machen“ war das Entscheidende

Ich bin mit 16 ein halbes Jahr nach Amerika gegangen. Das war das erste Mal, dass ich ganz alleine weg war.

Ich glaube, was für mich ganz viel verändert hat, war, dass meine Eltern gesagt haben „Wenn du nach Amerika gehen willst, gäbe es Geld, das du mit 18 kriegen würdest, das ist die einzige Finanzquelle. Du kannst entscheiden, ob du es jetzt oder mit 18 haben willst und organisier den Amerika-Aufenthalt alleine“.

Das Selber-Machen war das Entscheidende. Ich bin auf Messen gegangen, hab mich überall informiert und sowas mit 16 alleine zu schaffen und dass ich alles alleine entschieden hab, war super wichtig für mich.

Ich kann mir vorstellen, dass es sich dadurch auch entwickelt hat, dass ich denke „Ich kann das auch alleine machen“.

Nach dem Abi habe ich erst die Ausbildung zur Rettungssanitäterin gemacht, weil ich nicht direkt ins Medizin-Studium rein kam. Danach habe ich dann gemerkt, dass ich eigentlich nochmal weg möchte. Dann ging alles ganz schnell und recht spontan und es hat nur einen Monat gedauert bis zu meinem Abflug nach Ghana.

Dann bin ich nach Ghana gegangen über eine kleine Organisation aus Köln. Einer der Gründe war, weil es eines der wenigen englischsprachigen Westafrikanischen Länder ist.

Ich bin dort in ein Krankenhaus vermittelt worden und ich hatte eine Gastfamilie, bei der ich gewohnt habe. Das war meine erste so richtig intensive Erfahrung.

Ich hatte das Gefühl, dass ich Afrika ein bisschen kenne, weil ich schon mal in Südafrika war, aber dort habe ich Afrika nochmal ganz anders erlebt.

Vorher habe ich mir ganz bewusst wenige Vorstellungen gemacht. Ich habe versucht keine Erwartungen aufzubauen und dann enttäuscht zu werden. Und es ging ja auch alles so schnell. Ich hab mich da so schnell reingeworfen und hatte gar nicht so viel Zeit mir vor dem Abflug Gedanken zu machen.

Lebenssituation in GhanaLeila_Ghana

Das Haus, in dem meine Gastfamilie wohnte, war aus Steinen gebaut und hatte ein Wellblechdach. Es gab zwar Leitungen, aber da kam nie Wasser raus. Ich musste zum Brunnen gehen und Wasser holen.

Es war erstaunlich, wie schnell man sich daran gewöhnt, weil das Leben drum herum dazu passte. Wenn ich in Deutschland zum Brunnen gehen müsste, um Wasser zu holen, dann würde ich mich fragen „warum?“

Du wäschst alles per Hand. Waschmaschinen gibt es nicht. Man muss einen gewissen Standard ablegen. Auf sowas muss man halt verzichten können.

Man muss verzichten können auf den Luxus, den man zu Hause hat. Ich hatte dort zum Beispiel eine Schaumstoffmatratze, die auf ein paar Brettern lag. Das war nicht bequem. Es gab kein warmes Wasser. Aus dem Brunnen kommt kein warmes Wasser

Arbeiten im Krankenhaus

Das Krankenhaus, in dem ich gearbeitet habe, war wohl eins der besseren Krankenhäuser. Ich habe leider kein anderes Krankenhaus gesehen, weil ich nicht in der Hauptstadt war. Da gibt es Unikliniken mit westlicherem Standard.

Wenn du Glück hattest, gab es Handschuhe, manchmal eben nicht. Ich hatte zum Glück meine eigenen dabei. Ich habe auch Mundschutz mitgebracht.

Da sind Hühner durch’s Krankenhaus gelaufen. Da hast du in deiner Ausbildung alles über Hygiene gelernt und dann kommst du da an und denkst dir „oh Hühner!“

Es gibt ständig keinen Strom, viele Krankheiten.

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