Natur- und Wildnispädagogik #5: Laubhütte

Teil meiner Ausbildung zur Wildnispädagogin ist es, eine Laubhütte zu bauen und drei Nächste darin zu schlafen. Die „erste Nacht“ habe ich hinter mir.

 

Suche nach einem Ort

Ich sprach mit meiner Helpx Gastgeberin über meinen Plan und sie sagte mir, dass so ziemlich überall in der Gegend Rehe und Elche seien. Sie schlug mir vor, nahe an den Berg zu gehen. Das Problem hierbei: Nur Nadelwald und es ist nah an einer Mine.

 

Es gibt dort drei große Höhlen, die ins Dunkle führen…

ich habe keine Ahnung, was darin ist und ich will es auch eigentlich nicht wissen.

 

Wo sollte ich meine Laubhütte bauen?

Meine erste Wahl war unter einem Baum, weicher Boden, geschützt von Ästen. Doch dann fiel mein Blick auf ein Rechteck am Boden, jemand hatte dort gelegen. Vermutlich ein Reh.

Ein paar Meter weiter fand ich Tierspuren von einem Huftier, die zu dem Baum führten. Ich wollte nicht in einen Kampf mit einem Reh geraten, mitten in der Nacht, nur weil ich an seinem Lieblingsplatz schlief.

 

Also suchte ich weiter.

Ich fand Trampelpfade (vermutlich von Elchen, Rehen und Wildschweinen) und identifizierte zwei unterschiedliche Tierexkremente. Ich wusste nun, dass dies definitiv ein Gebiet war, in dem Wildleben aktiv war.

 

Ich fand einen Platz, an dem keine Tierpfade oder Exkremente in einem Umkreis von ungefähr zwanzig Meter waren.

 

Eine Hütte bauen – Stamm, Stöcke, Äste, Blätter

Erst einmal brauchst du einen langen, dünnen Stamm, der ungefähr einen Kopf länger ist als dein Körper. Sei sicher, dass er nicht verrottet ist, ansonsten wird deine Konstruktionen zusammenbrechen.

 

Dann suche nach zwei dicken Ästen, einer davon sollte wie ein Y geformt sein.

 

Verhake die beiden Äste ineinander, sodass sie ein Dreieck bilden, dessen obere Enden überstehen und ein X bilden. Den unteren Teil kannst du in die Erde drücken, so bekommen sie mehr Stabilität. Nimm nun den Stamm und lege ihn in das X, überprüfe, dass es stabil ist.

 

 

Nun suche Stöcke und lege sie an den Stamm, lasse nicht zu viel Platz zwischen ihnen. Als Nächstes brauchst du Reisig, den du auf die Stöcke legst.

 

 

Und nun kommt die meiste Arbeit: Sammle Blätter.

Du brauchst EINE MENGE Blätter, am besten trockene und große Blätter. Und schöne bunte Blätter damit deine Hütte hübsch aussieht. Haha, war’n Scherz 😀

 

Eine 30 cm Schicht oben drauf und fülle die gesamte Hütte mit Laub. Achte darauf, dass die Blätter im Inneren fest zusammengepresst sind, du willst keine lose Schicht, denn dann kommt kalte Luft durch.

Ich hatte Glück. Gärtner hatten an jenem Tag Blätter vom Gras auf den Gehweg geblasen und die konnte ich einfach nehmen.

 

Vorbereitung

Mental

Ich habe mir immer wieder gesagt, dass ich schon öfter im Zelt geschlafen habe und die Laubhütte ist nicht soo viel anders als ein Zelt.

Versuche nicht daran zu denken, was passieren könnte („ein Elch wird sich auf meine Hütte legen und ich werde gefangen sein!“) oder mit wem du es zu tun bekommen könntest (ein wütendes Wildschwein oder ein verrückter Dachs). Dadurch steigt dein Angstlevel.

 

Körperlich

Ich habe Teebaumöl und Autan gegen Zecken und Insekten benutzt.

Achte darauf, dass dein Körper warm und trocken ist, wenn du in die Laubhütte gehst.

 

Kleidung

In unserer Wildnispädagogik-Ausbildung können wir uns aussuchen, was wir tragen, aber es ist empfohlen, in Unterwäsche zu schlafen. Ich trug norwegische Thermounterwäsche, eine Regenhose, zwei Paar Socken (eins davon Thermosocken), einen langen Wollpulli, eine Regenjacke, Mütze und Handschuhe.

 

Was du noch brauchst

Nicht viel – eine Taschenlampe, eine Wasserflasche und ein Handy für den Fall, dass du Hilfe brauchst – z.B. wenn ein Elch auf deiner Laubhütte liegt 😉

 

Ein kleines bisschen extra Unterstützung

Ich habe ein Glas Wein getrunken, um mein Mut-Level hochzufahren 😉

 

Meine erste Nacht in einer Laubhütte

Als ich zu meiner Hütte ging, sah ich nicht nach rechts oder links, aus Angst, ich könnte leuchtende Augen in der Dunkelheit sehen. Also konzentrierte ich mich auf den Boden und versuchte mich zu erinnern, wo meine Hütte stand. Es war gut, dass ich diesen Weg 8 mal, 5-7 Minuten jeweils, tagsüber gegangen bin, um die Blätter zur Hütte zu bekommen!

 

Ich brauchte nur 5-10 Minuten, um meinen Körper in die Blätter zu schieben. Eigentlich soll der ganze Körper im Laubhaufen sein, aber ich ließ meinen Oberkörper draußen, wenn auch immer noch in der Hütte. Ich hatte den Eingangsbereich freigelassen.

 

Ich habe Angst bei kompletter Dunkelheit, also ließ ich meinen Kopf ein Stückchen aus der Hütte raus, aber trotzdem weit genug draußen, um Schatten und graues Licht zwischen den Ästen des Baumes zu sehen, unter dem ich lag.

 

Mein Rücken war nach einiger Zeit recht kalt und die Kälte zog in meine Arme.

 

Ich schaufelte Blätter auf und unter meinen Oberkörper, aber es hat nicht wirklich geholfen.

Ich lenkte mich ab mit Gedanken an warme, helle Orte und nach einer Weile war mir wieder warm.

 

Ich konnte meine Beine nicht bewegen

Ich weiß, dass ich die Laubhütte richtig gebaut habe, denn ich konnte meine Beine nicht bewegen, das war sehr unangenehm…irgendwann fing mein Rücken an weh zu tun und meine verspannten Muskeln im Nacken verschlimmerten meinen Tinnitus.

 

Natürlich kann das auch ein Zeichen von mentalem Stress gewesen sein,

dafür, dass ich meine Angst unterdrückte, aber das wollte ich nicht akzeptieren.

 

Nach ungefähr einer Stunde musste ich dringend pinkeln. Wenn du in einem Laubhaufen feststeckst, alles um dich herum ist wirklich dunkel und du weißt nicht, wer noch alles da ist, willst du es vermeiden, die Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen.

 

Also hielt ich es weitere 30 Minuten aus. Doch ich konnte nicht schlafen. Raus aus dem Laub, gepinkelt und wieder ins Laub reingepresst.

 

Atme!

Zu meiner Überraschung hatte ich keine Angst (am Anfang…), ich hörte dem Wind zu und ich konnte kein größeres Tier um mich herum hören oder spüren. Nach ungefähr einer Stunde hörte ich Schreie (könnte ein Kauz gewesen sein, bin mir aber nicht 100% sicher).

 

Atme ein, atme aus, atme ein, atme aus – es half.

 

Als alles still war, fragte ich mich einige Male: „Warum mache ich das hier eigentlich?“

Als ich nicht schlafen konnte, hatte ich den Gedanken: „Ich hab’s getan, liege in einer Laubhütte, alleine im Wald, ich kann jetzt wieder gehen“

Als mir warm war, dachte ich: „So schlimm ist es nicht, irgendwie bequem“

 

Ich wusste, da war etwas hinter mir

Aber dann hörte ich ein Geräusch nah an meinem Kopf, als würde etwas in den Blättern graben.

Ich sagte mir, das sei nur der Wind. Aber es war zu regelmäßig. Nicht als würde der Wind Blätter über den Boden wehen.

Schon während meiner Sitzplatzarbeit hatte ich die Präsenz von Tieren gespürt…und ich wusste, da war definitiv etwas hinter mir.

 

Als der Wind dann auch noch einen Tiergeruch in meine Nase trug, flippte ich aus.

 

Ich glaube, es hat zwei Minuten gedauert, um aus der Laubhütte rauszukommen. Ich habe mich nicht umgeguckt, was mir Angst einflößte.

 

Es war eine ‚ok‘ Erfahrung. Für zweieinhalb Stunden in einer Hütte zu liegen, alleine, nachts, mitten im Wald, war interessant.

Als ich zum Haus meiner Helpx Stelle zurück kam (dauerte zehn Minuten), musste ich noch eine Folge New Girl gucken, um meine Gedanken abzulenken und mein Adrenalinlevel runter zu kriegen.

 

Mir war warm und ich fühlte mich sicher.

 

 

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