Kiki (2/3)

“Extrem nervenaufreibend und unglaublich unwillkommen”

Im November 2012 kam ich in Vancouver an. Wenn mich Leute fragten, warum ich im Ausland leben will, sagte ich ‚Ich möchte nicht in Deutschland leben. Die Meisten sind nicht gerade entspannt; die meisten Leute sind –im Vergleich zu anderen Ländern- oft recht negativ. Ich will irgendwo anders leben, wo die Menschen freundlicher und offener gegenüber anderen Lebensstilen sind‘.

Je länger ich im Ausland lebte, desto mehr konnte ich von gesellschaftlichen Erwartungen los lassen. Vancouver wurde zu meinem zu Hause und genoss meine Zeit dort sehr! Nachdem ich fast zwei Jahre in Kanada gelebt hatte, begann ich den Einwanderungsprozess und der stellte sich als Albtraum heraus!

Ich beantragte die Dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und weil ein Dokument in meinem Antrag fehlte, wurde mein Antrag abgelehnt. Ich durfte das fehlende Dokument nicht nachreichen (es hätte 5 Minuten gedauert das entsprechende Dokument meinem online Profil hinzuzufügen). Also stellte ich einen zweiten Antrag.
Doch weil das BC PNP (British Columbia Provincial Nominee Progam) meine Nominierung nicht innerhalb von vier Wochen gegenüber dem CIC (Citizenship and Immigration Canada) bestätigte, wurde mein zweiter Antrag gelöscht. (Anmerkung: Mit einer Nominierung erhält man extra Punkte, um sich über das neue online Expressverfahren die Dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen zu können)

Mein dritter Antrag wurde drei Wochen später ebenfalls gelöscht, weil meine Nominierung in diesem Zeitraum ausgelaufen ist. Und plötzlich konnte das BC PNP innerhalb von zwei Wochen bestätigen, dass ich keine Nominierung mehr habe.

Insgesamt hatte das BC PNP also sieben Wochen Zeit zu bestätigen, dass ich eine Nominierung habe. Haben sie nicht gemacht. Dann läuft meine Nominierung aus und sie bestätigen dies innerhalb von zwei Wochen? Wow! Der Witz an der ganzen Sache war, dass das CIC aufgrund meines ersten Antrags genau wusste, dass ich eine Nominierung habe…

Ich war es leid darum zu kämpfen in einem Land zu leben, in dem ich nicht willkommen war. Mein drittes Jahr in Kanada war ein riesen Kampf und Ärgernis. Neben dem Einwanderungsstress arbeitete ich Vollzeit in einem recht anspruchsvollen und herausfordernden Job (eins-zu-eins Betreuung von einem non-verbalen autistischen Jungen), bei dem ich in 10 Monaten keine Pause hatte.

Ich musste einen Kurs machen, um die kanadische Lizenz zu erhalten, um im Kindergarten arbeiten zu können (obwohl ich Universitätsabschluss hab und Diplom-Pädagogin bin).  Ich veröffentlichte ein Kinderbuch (ja, positiver Stress 😉 )

Ich musste mich einem kleineren Eingriff unterziehen und hatte Glück, dass die kanadische Krankenversicherung meine Versicherung verlängerte – und zwar zu einem Zeitpunkt als ich keine offiziellen Dokumente hatte, dass ich in Kanada bleiben darf (das nennt sich ‚implied status‘, man ist legal im Land bis man die nächste Arbeitserlaubnis erhält, aber man hat keinen schriftlichen Beweis darüber).

Mein drittes Jahr in Kanada war extrem nervenaufreibend und ich fühlte mich unglaublich unwillkommen.
Mein ganzes Leben bestand nur noch daraus Formulare zusammen zu bekommen, sie auszufüllen, mich zu sorgen, dass die aktuelle Arbeitserlaubnis bald ausläuft und ich keine Ahnung hatte, ob die neue Arbeitserlaubnis noch rechtzeitig kommen würde. Dann fängst Du automatisch an über Dein Leben nachzudenken und fragst Dich irgendwann

‚Ist es das überhaupt wert?‘

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