Kiki (1/3)

“Es begann mit Gehirntumoren”

Innerhalb von sechs Monaten starben drei Menschen, die ich kannte, aufgrund eines Gehirntumors. Michaela, mit der ich zusammen studierte, starb im Alter von 35 Jahren, Mutter von zwei Kindern. Mein Lieblingslehrer Mr. Appleby starb einige Monate vorher – aufgrund eines Gehirntumors. Im gleichen Monat verlor auch mein Großvater seinen Kampf – gegen einen Gehirntumor. Vom Tag an als er die Diagnose bekam hatte er nur noch drei Monate zu leben.

Ich war geschockt und geriet ins Wanken. I realisierte plötzlich wie kurz das Leben sein kann. Es gibt keine Garantie mehr, dass man ein langes Leben lebt und dann an einem Herzinfarkt stirbt. Die drei Tode trafen mich sehr. Ich begann über mein Leben nachzudenken und plötzlich hatte ich Angst die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu verpassen.

In den Jahren bevor mein Großvater, Mr. Appleby und Michaela verstarben, arbeitete ich sehr viel und ich gönnte mir keine Pause. Im Spätsommer 2010 hatte ich alle Symptome eines Burn-outs, aber ich ging nicht zum Doktor. Ich wollte einfach nur eine Pause von meinem stressigen und unbefriedigenden Leben.

Jeder um mich herum erwartete von mir, dass ich nun das „ernste“ Leben anfangen würde. Mit einem Partner, Kindern und einem Haus mit Garten. Für die meisten Menschen ist es genau das, was sie wollen. Aber es war nicht das, was ich wollte! Ich wollte die Welt sehen!

Ich wollte MEIN Leben leben und nicht das Leben, das die Gesellschaft für mich geplant hatte. Ich war immer recht selbstbewusst und wusste, was ich im Leben will und dann auf einmal (kurz vor meinem 30. Geburtstag im Gehirntumor-Jahr 2010) stellte ich fest, dass ich mein Leben und mich selbst nicht mehr mochte.
Ich wollte so weit wie möglich weg. Weg von der Person, die ich geworden war.

Seit ich „Herr der Ringe“ gesehen hatte, war es mein Traum nach Neuseeland zu reisen. Also kündigte ich meinen Job, meine Wohnung, verkaufte einige Sachen, brachte einige Sachen zum Haus meiner Eltern und flog ins Land der langen weißen Wolke.

In den ersten Tagen dachte ich nur ‘Was hab ich mir eigentlich dabei gedacht? Ich bin nicht so mutig. Ich kann hier keine 6 Monate bleiben!‘ Ganz alleine auf der anderen Seite der Welt, weit weg von zu Hause – und von jeglichen Erwartungen.

Meine Zeit in Neuseeland hat mich verändert. Ich war beeindruckt vom entspannten Lebensstil und der Freundlichkeit der Kiwis. In diesen sechs Monaten habe ich mich erholt und ich versprach mir selbst, dass ich nicht mehr übermäßig viel arbeiten werde. Ich realisierte, dass es mehr im Leben als Arbeit gibt. Und ich fand mich selbst wieder! Unter all den Schichten gesellschaftlicher Erwartungen fand ich mich selbst wieder!

Als ich nach Deutschland zurückkam, hatte ich einen Kulturschock – in meinem eigenen Land. Jeder war sich ständig über alles und Jeden am Beschweren, Jeder war in Eile und gestresst. Ich fühlte mich in meinem Heimatland nicht mehr wohl. Hatte ich mich so sehr verändert? Ich stellte fest: Ja, hatte ich.

Aber sechs Monate im Ausland waren nicht lange genug, um eine langfristige Veränderung herbei zu führen. Also bin ich in alte Gewohnheiten zurück verfallen und fing an mich wieder selbst zu verlieren.

Doch diesmal wusste ich genau, was zu tun war: Ich wollte einfach nur weg aus Deutschland, weg von dem Einfluss, den es auf mich hatte. Ich beantragte ein Working Holiday Visum für Kanada und bekam es. Ich kündigte meinen Job (schon wieder), zog aus meiner Wohnung aus (schon wieder) und verkaufte noch mehr Sachen.

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