Ian über seine Erfahrungen mit Hausunterricht in Alberta, Kanada (2/2)

Unterschiede zwischen der öffentlichen Schule und Hausunterricht

 

Es war sehr verschieden. Ich war es nicht gewohnt zu einer bestimmten Zeit am Morgen aufzustehen. Aber ich glaube, der größte Unterschied war für mich die Struktur des Tages: Es war alles zu einer bestimmten Zeit, so wie Mathe am Morgen, Englisch am Nachmittag, was auch immer es war.

 

Aber die andere Seite war die „erzwungene soziale Interaktion“, aber ich schätze, das ist für jeden anders.

 

Sozialkompetenzen in öffentlichen Schulen

 

Ich denke, es ist eine erzwungene soziale Interaktion in den öffentlichen Schulen und es ist fast schon notwendig dieses bestimmte Level zu haben, denn soziale Kompetenzen sind wichtig. Du musst in der Lage sein, unter Menschen zu gehen, miteinander reden.

 

Aber wenn es um das öffentliche Schulsystem geht, dann ist es ein riesen Würfelspiel, mit wem du am Ende dastehst. Es gibt nicht immer genug Unterstützung in diesem Punkt. Die Schule lehrt dich zu subtrahieren und addieren, sie lehren dich zu lesen und Buchstaben zu schreiben, aber sie lehren dich nicht, wie man mit Menschen interagiert.

 

Es ist so eine Art von “wir werden euch alle zusammen

in das gleiche Klassenzimmer werfen und

für 6 Stunden abschließen und

dann gucken wir mal, was passiert”.

 

Ich glaube, es gibt nicht genug Förderung und Berücksichtigung von Sozialkompetenzen in öffentlichen Schulen.

 

Sozialkompetenzen im Hausunterricht

 

Es gab die Möglichkeit, sich mit anderen Kindern zu treffen, die zu Hause unterrichtet wurden. Ich erinnere mich, dass wir zu ein paar Ausflügen gegangen sind, als ich in der 1. Und 2. Klasse war. Ich erinnere mich, dass ich rausging und die anderen Kinder traf und manchmal auch die Lehrer, die im Alberta Distance Learning Centre arbeiteten.

 

Es gab diese Familie, die auf der anderen Straßenseite gewohnt hat, mit denen wir befreundet waren und ich bin immer rübergegangen und habe Videospiele mit ihnen gespielt.

 

Ich denke, es war die gleiche Sache, eine erzwungene soziale Interaktion,

aber der Unterschied war: Ich hatte die Wahl.

Ich konnte die Kinder auf der anderen Straßenseite sehen und

eine Entscheidung treffen!

 

„Will ich mit ihnen abhängen, soll ich sie zu mir einladen oder will ich einfach alleine Schulaufgaben machen?“ Es ist diese Wahl!

 

Ich finde, das ist ein Aspekt, der im öffentlichen Schulsystem fehlt:

Keine Wahl haben.

 

 

Je älter desto mehr Struktur wird benötigt

 

Als ich in der 12. Klasse Hausunterricht machte, stellte ich fest, dass ich wirklich abgerutscht bin im Vergleich zu meinen Noten in der ersten Klasse und meiner gesamten Zeit in der Schule, weil ich mich hinsetzte und die Wahl hatte „will ich Schulaufgaben machen?“

 

Aber ich hatte auch die Wahl „möchte ich auf facebook gehen oder ein Spiel spielen oder rausgehen und Rollerbladen?“

 

Und mit diesen Wahlmöglichkeiten im gleichen Pool war es sehr viel

schwieriger mich selbst dazu zu zwingen Schulaufgaben zu machen.

Also glaube ich, dass ein bestimmter Grad an Struktur eine gute Sache ist.

 

Ich würde nicht sagen, dass ich es mochte, aber im Endeffekt war das, was ich wirklich mochte, das Lernen. Ich war schon immer ein seltsames Kind – während alle anderen die Schule hassten, genoss ich Schule die meiste Zeit.

 

Wenn ich jetzt zurückdenke, dann würde ich sagen,

ich habe mich nach der 3. Klasse und

vor der Junior High School immer noch auf meine Eltern verlassen.

Nicht unbedingt darauf, dass sie mir mit meinen Noten geholfen haben,

sondern dass wir darüber gesprochen haben.

 

In meinen Teenager-Jahren war e sein bisschen anders. Ich würde sagen, ich brauchte die Struktur, aber ich habe diese Struktur in einer anderen Weise gefunden als ich 13 wurde. Ich habe angefangen Gitarre zu spielen und danach habe ich fast meine ganze Freizeit damit verbracht.

 

Wenn ich an einem bestimmten Ort bin, habe ich eine bestimmte Haltung. Wenn ich also in der Schule bin, im Klassenraum, dann habe ich die Haltung „ich bin da, um zu lernen, ich bin da, um meine Schulaufgaben zu machen“. Wenn ich ins Büro zur Arbeit gehe, dann bin ich da, um zu arbeiten, es hilft mir, Geld zu verdienen.

 

Zu Hause ist eine komplett andere Geschichte.

 

Lernmethoden im Hausunterricht

 

In der 12. Klasse war es sehr ähnlich zum öffentlichen Schulsystem. Ich habe Bücher bekommen und Schulaufgaben. Also war es fast die gleiche Sache. Die Art, wie die meisten meiner Klassen strukturiert waren, war so, dass es am Anfang einen Vortrag mit einigen Informationen gab, dann eine Diskussion und dann „hier ist eure Aufgabe dafür und ich werde euch abfragen. Hier sind die Fragen.“

 

Ich glaube, beim Hausunterricht war es ungefähr das gleiche, nur minus den Teil mit dem Vortrag am Anfang. Es lag also an mir das Buch durchzugehen und die relevanten Informationen zu finden und dann in den Aufgaben abgefragt zu werden.

 

Das ist der Teil von Bildung, den ich nicht mag,

weil es einfach eine Überprüfung von Information ist.

 

Ich kann mich kaum noch an das Jahr erinnern, weil es meistens so war „ich muss diese Formelsammlung für den Test wissen, ich lese über das Buch drüber und finde diese Formeln und ignoriere alles andere“.

 

Vorteile von Hausunterricht

In der ersten und zweiten Klasse, und ich glaube das hat weniger mit Hausunterricht per se zu tun, aber ich habe gelernt, mich selbst zu bilden. Dazu gezwungen zu werden, war keine negative Sache für mich.

 

In der öffentlichen Schule gibt es so viel Stimulation, immer passiert irgendetwas, es sind Leute um dich herum, es gibt Lehrer mit ihren Tests. Du bist fast nie gelangweilt.

 

Aber beim Hausunterricht kam es vor, dass ich gelangweilt war.

Es gab Momente, in denen mir nichts gegeben wurde, was ich tun konnte.

Es war mir möglich, zu lernen, damit umzugehen und

mich in meinen eigenen Gedanken zu verlieren.

Ich glaube nicht, dass ich das

in einer öffentlichen Schule herausgefunden hätte.

 

Insgesamt glaube ich, dass Struktur besser für mich ist. Als ich in die erste und zweite Klasse ging, machte ich mich wirklich gut und ich glaube, das war überwiegend weil meine Mutter da war.

Sie hat mich nicht gezwungen, meine Schulaufgaben zu machen, aber sie kam zu mir und hat mir eine Wahl gegeben. „Willst du Englisch machen? Mathe? Naturwissenschaften?” und dann haben wir das an dem Tag gemacht. Und es war immer noch strukturiert „zu dieser Zeit am Tag machen wir Schulaufgaben“.

 

Ich glaube, der größte Vorteil,

unabhängig davon ob es in der ersten, zweiten oder zwölften Klasse war,

es war mir möglich zu entscheiden,

was ich machen wollte und wann ich es machen wollte.

 

Fazit

Letzten Endes, unabhängig davon, ob ich in der öffentlichen Schule war oder Hausunterricht gemacht habe, die eigentlichen Lernziele waren immer noch dieselben.

 

Bei beiden musste ich am Ende des Schuljahres wissen,

wie ich Algebra in Mathe mache.

Das war einfach eine Grundvoraussetzung.

 

Der Hausunterricht ist in Alberta so aufgestellt, dass die Leute ihre eigene Struktur erstellen können als dass sie das mit dem Kursmaterial machen können.

 

Und ich glaube, es funktioniert!

 

Ich finde, Hausunterricht sollte definitiv eine Option sein!

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.