Ian über seine Erfahrungen mit Hausunterricht in Alberta, Canada (1/2)

Wer hat in Deiner Familie entschieden, Hausunterricht zu machen und warum?

 

Meine Eltern waren recht fortschrittlich, aber sie wollten mich und meine Schwester nicht in das öffentliche Schulsystem geben. Ich kenne nicht die genauen Gründe, aber ich weiß, dass sie ein großes Misstrauen gegenüber dem System hatten und beide haben negative Erfahrungen gemacht als sie zur öffentlichen Schule gegangen sind.

 

Ich glaube, sie haben Hausunterricht angefangen,

weil es die Option gab und sie wollten es zumindest versuchen.

 

Als wir Hausunterricht machten, war alles durch das Alberta Bildungssystem eingerichtet. Ich habe also immer noch den gleichen Lernstoff gelernt wie jeder andere auch – ich habe nur zu Hause gelernt.

 

Wie sah der Hausunterricht aus?

 

Ich habe ein Modul bekommen, das ist wie ein Heft, und darin waren alle Wörter (für Englisch) und meine Mutter und ich haben uns jeden Tag hingesetzt und sind das Modul für den Tag durchgegangen.

 

Meine Mutter war meine Lehrerin, wir gingen die Module durch und ich habe die Aufgabe bearbeitet. Dann haben wir es eingesendet und ich habe meine Noten ein paar Wochen später bekommen.

 

In der 12. Klasse war es so ähnlich: Ich habe ein Modul bekommen mit allen Informationen, aber dieses Mal habe ich alles selbst abgedeckt, die Aufgaben gemacht und es zurückgesendet. Zu dem Zeitpunkt war alles online und es war viel schneller in Bezug auf das Feedback.

 

Ich habe Hausunterricht in der 12. Klasse weitergemacht während ich Vollzeit arbeitete.

 

Der Hauptgrund, warum ich mich dafür in der 12. Klasse entschieden habe, war, weil ich nur noch drei Kurse belegen musste, um meinen Abschluss zu machen. Ich konnte das so machen.

 

Unterstützung vom Alberta Distance Learning Centre

 

Unsere Bildungsabteilung ist je nach Provinz aufgeteilt, also weiß ich nicht, wie es in anderen Provinzen läuft. Bei uns gibt es eine Organisation, die für Hausunterricht installiert ist. In Alberta haben wir eine Organisation , die „Alberta Distance Learning Centre” heißt.

 

Was sie im Grunde genommen tun, ist, dass sie alle Leute, die Hausunterricht machen wollen, organisieren. Sie stellen das Alberta Bildungscurriculum bereit, sie haben Mitarbeiter für die Benotung. Es ist ein ziemlich geradliniger Prozess.

 

Wir müssen keinen Plan erstellen, weil wir dem normalen Alberta Curriculum folgen. Solange man dem folgt, kannst man den Hausunterricht mit was auch immer unterstützen.

 

In der ersten und zweiten Klasse wurde ich zwar von meiner Mutter unterrichtet, aber das war nicht nötig.

 

Eltern müssen nicht die Lehrer sein.

Das Material ist da, und es gibt unterstützendes Personal,

es gibt extra Personal, die ich jederzeit hätte anrufen können,

wenn ich es gebraucht hätte.

 

In meinem Abschlussjahr haben sie sogar eine Abschlusszeremonie organisiert! Es waren ungefähr 25 oder 30 von uns da und wir haben die ganze Einberufung, akademischen Hut und Robe bekommen.

 

Ein typischer Hausunterrichtstag in der 1. und 2. Klasse

 

In der ersten und zweiten Klasse bin ich gegen 8 oder 9 Uhr aufgestanden. Wir haben immer zuerst gefrühstückt und dann haben wir uns an den Schreibtisch gesetzt. Wenn wir am Tag zuvor am Englisch-Modul gearbeitet haben, dann hat meine Mutter mich gefragt „möchtest du die Aufgaben heute fertigstellen? Oder möchtest du an etwas anderem arbeiten?“

 

Und dann haben wir eine kleine Unterhaltung darüber gehabt. Normalerweise habe ich eins (Modul) gewählt und sie hat mich direkt gefragt, warum.

 

Dann haben wir uns hingesetzt und gearbeitet. Es gab nie wirklich festgesetzte Zeiten wie „jetzt machen wir Schulaufgaben für 2 Stunden, dann gibt es Mittagessen und dann machen wir nochmal Schulaufgaben für 2 Stunden“.

 

Es war “lass uns Schulaufgaben machen bis du hungrig bist. Lass mich wissen, wenn du Hunger hast, dann essen wir zu Mittag“. Nach dem Mittagessen haben wir uns danach gerichtet, was wir bereits am Morgen geschafft haben, manchmal habe ich das ganze Modul geschafft und dann haben wir uns eine Minute genommen und geguckt, wo ich im (Lern-) Prozess stehe.

 

Je nach Tag und je nachdem wie weit ich gekommen war, hat sie mir ein neues Modul-Set angeboten und  sagte „du solltest mit 1b anfangen“ oder sie sagte „lass uns etwas anderes machen, lass uns ein Gesellschaftsspiel spielen, was möchtest du tun? Willst du Fahrrad fahren gehen?“

 

Es gab auch andere, vielfältige Aktivitäten. Ich war in einer kleinen Fußballgruppe und wir haben ab und zu trainiert. Ich habe auch Klarinette gespielt und meine Mutter bat mich, ihr eine Vorführung zu geben.

 

Es war strukturiert, aber nicht im zeitlichen Sinne.

Es war mehr „du stehst auf, frühstückst und

dann machen wir Schulaufgaben“.

 

Aber der Zeitumfang, in dem ich mich mit diesen Dingen beschäftigte, war nie festgelegt. Wir haben eigentlich jeden Tag geguckt, wie sich die Dinge anfühlten. Ich glaube, das war wahrscheinlich besser.

 

Man ist zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Tagen in unterschiedlicher Verfassung. An einem Tag bist du in der Verfassung, nur Mathe zu machen, und du willst es den ganzen Tag lernen. Und beim Hausunterricht kannst du das! Du kannst den ganzen Tag an deinen Matheaufgaben arbeiten!

 

Es kann passieren, dass du an einem bestimmten Tag mit einem bestimmten Gemütszustand aufwachst, an dem du nichts machen möchtest.

 

Du kannst nicht darüber nachdenken, dein Gehirn ist nicht bereit dafür, du kannst dich an nichts erinnern und es ist einfach nicht dein Tag für dieses Modul.

Aber wenn du zur öffentlichen Schule gehst und den strikten regulären Stundenplan hast, dann kannst du das nicht verhindern.

 

 

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