Helpx

Meine erste Helpx Erfahrung habe ich auf Denman Island gemacht. Helpx ist Freiwilligenarbeit, bei der man zwischen 4 und 6 Stunden pro Tag arbeitet und dafür Kost und Unterkunft umsonst bekommt. Meist wohnt man mit den Gastgebern (hosts) in einem Haus, oftmals schläft man aber auch in einer Hütte oder manchmal sogar einem alten Wohnwagen im Garten.

Man kann ganz unkompliziert ein kostenloses Profil anlegen, mit dem man allerdings keine Gastgeber anschreiben kann. Ich würde euch allerdings eine Premium-Mitgliedschaft empfehlen. Die Kosten dafür sind sehr gering, lediglich 20€ für 2 Jahre! Damit könnt ihr dann auch Hosts anschreiben.

Die Art der Arbeit ist breit gestreut. Meistens suchen Farmen Unterstützung bei der Arbeit mit Tieren, Privatleute suchen oft jemanden für die Gartenarbeit und den Haushalt, Hostels oder B&B’s benötigen oft Hilfe im hauswirtschaftlichen Bereich.

Helpx gibt es übrigens weltweit! Ihr solltet euch auf jeden Fall aber genau über die Visabestimmungen informieren! In manchen Ländern werdet ihr kein Arbeitsvisum brauchen (bspw. Kanada), in anderen wiederum ist es unerlässlich! Dazu zählen vor allem Neuseeland und Australien. Ob ihr den Grenzbeamten erzählt, dass ihr Freiwilligenarbeit im jeweiligen Land machen wollt, bleibt natürlich euch überlassen…

Helpexen auf Denman Island

Meine erste Erfahrung mit helpx war super! Ich hatte einige hosts angeschrieben und natürlich waren ein paar Stellen bereits vergeben, aber ich hatte Glück und habe für 10 Tage eine Stelle auf Denman Island gefunden!

Denman Island ist eine kleine Insel zwischen Vancouver Island und der noch kleineren Insel Hornby Island. Von Vancouver aus nimmt man die Fähre nach Nanaimo, von da aus ist es ca. 1 Stunde Richtung Norden bis zur Buckley Bay. Dort nehmt ihr eine weitere Fähre (die Überfahrt dauert 10 min) und schon seid ihr da!

Mein host David hat mich zusammen mit seinen beiden Hunden abgeholt, denn zu Fuß wäre ich noch eine Stunde unterwegs gewesen. Busse gibt es hier nicht.

Ich habe immer von 9 bis 14 Uhr gearbeitet. Dazu gehörte alles, was rund ums und im Haus anfiel: Hütte im Garten (von innen) anstreichen, Türen streichen, einen Weg mit Rindenmulch legen, kochen, putzen, Hühner füttern, das Dach der Scheune reparieren, Hecken schneiden.

Entschleunigung!

Denman Island ist super relaxed und ruhig. Entschleunigung ist hier das richtige Wort. Niemand hetzt, niemand ist gestresst, alles ist easy. Die Ruhe der Natur, egal ob dicht bewachsene Wälder, raue Steinstrände oder stille Sümpfe – Natur ist hier allgegenwärtig, Menschen sind hier Besucher, die sie achten und wertschätzen. Nachhaltig leben wird hier sehr groß geschrieben!

Nachhaltig leben – ein Lebensentwurf

Mein host hat sehr darauf geachtet nachhaltig zu leben und seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern. So tranken wir Regenwasser aus der Regentonne (meist gemischt mit Saft, weil der Geschmack doch etwas gewöhnungsbedürftig war), gespült, gewaschen und geduscht wurde mit dem Wasser aus dem Sumpf.

Das Haus hat er selbst gebaut und hat altes Glas und Treibholz benutzt. Die große Säule mitten im Wohnzimmer stammt sogar von einer alten Eisenbahnbrücke!

Auf Denman Island gibt es einen Umsonst-Laden. Jeder kann hier Kleidung abgeben, die er nicht mehr benötigt und Jeder kann mitnehmen was er braucht. Geld muss man nicht zahlen. Niemanden kümmert es, wenn man den abgelegten Pulli von Nachbar X trägt. Man freut sich sogar darüber, dass der Pulli einen neuen Besitzer gefunden hat.

Statt „Uhh, der trägt die Sachen, die ich zum Umsonst Laden gebracht hab“ sagen sie „Oh wie schön, dass du dich für meinen Pulli entschieden hast! Ich fasse das als Kompliment auf!“. Solch eine Einstellung finde ich einfach nur toll! Nicht verurteilen und abwerten, sondern das Positive sehen! Und mal ehrlich: Wir haben alle einen vollen Kleiderschrank, voll mit Sachen, von denen wir nur die Hälfte brauchen. Warum nicht weggeben, wenn wir sie eh nur einmal im Jahr anziehen? So bleibt auch hier der ökologische Fußabdruck niedrig!

Getauscht wurde auch Essen. So kam ich in den großen Genuss Lachs zu essen, den mein host von einem Fischer bekam und gegen Eier von seinen Hühnern eintauschte. Ich sag’s euch: Kanadischer Lachs frisch aus dem Meer…mmhhh 🙂

Die Eier haben wir übrigens auch gegessen. Es geht nichts über ein Ei am Morgen aus dem Hühnerstall!

Mein Motto für Denman Island war ‚Was Neues ausprobieren‘ und das habe ich dann auch gemacht: Ich habe Miesmuscheln und Austern gegessen! Die Muscheln haben wir an einem Nachmittag am Strand gesammelt und sie dann in Weißweinsoße und mit Zwiebeln im Kochtopf zubereitet wurden. Obwohl ich die großen Miesmuscheln immer noch nicht so recht essen mochte, weil es so viel zu kauen war. Dafür habe ich nur die Kleinen rausgesucht und die waren super lecker 😉

Die Austern hat David auf dem BBQ zubereitet und ich habe sie tatsächlich gegessen! Bei Austern dachte ich immer an die ekligen, glibberigen, salzigen, nach Fisch stinkenden Schwabbeldinger. Ich war total überrascht wie gut sie geschmeckt haben! David hat sie geschlossen auf den Grill gelegt und gewartet bis sich die Schale geöffnet hat. Dann träufelte er ein wenig Zitronensaft darüber und wir aßen sie mit Messer und Gabel.

Mit der Zubereitung auf dem BBQ haben sie ihren Schwabbel verloren (Ha! Eine neue Diät-Idee? „Verlieren Sie Ihren Schwabbel indem sie sich auf den Grill legen bis sich Ihre Schale öffnet!“) und die Konsistenz und der Geschmack erinnerten mich an Jakobsmuscheln. Kein ekliger Fischgeschmack mehr. Salzig waren sie schon ein wenig, aber in genau der richtigen Intensität. Ich habe gleich vier verdrückt und wenn wir noch mehr Austern gehabt hätten, dann hätte ich die vermutlich auch noch verschlungen 😉

Wer also eine starke Abneigung gegen Austern hat, sollte einmal gegrillte Austern probieren! Kann ich nur empfehlen!

Das Inselleben

Wenn die Inselbewohner davon sprachen nach ‚Downtown‘ zu fahren, dann meinten sie die Hauptstraße direkt hinter der Anlegestelle der Fähre. ‚Downtown‘ besteht aus zwei Cafés (wovon eins geschlossen war), einem Hostel, einer Tankstelle = Postamt = Supermarkt = Liquor Store, einem Gemeindezentrum und einer Kirche.

Die meisten Inselbewohner leben dauerhaft hier und betreiben ihr eigenes Geschäft oder setzen tagtäglich nach Courtenay rüber und arbeiten dort. Und dann gibt es aber auch noch Menschen wie Ron und Michelle, die in Vancouver in einer kleinen Einzimmer-Wohnung wohnen und ein traumhaftes Haus auf Denman Island haben, in dem sie ihre Wochenenden und Urlaube genießen. Wer möchte das nicht? Am Wochenende auf der Terrasse sitzen, 50m davor das Meer und wenn man Glück hat, schwimmt ein Wal vorbei!

An Thanksgiving hat David ein Potluck veranstaltet und mehrere befreundete Familien und Freunde kamen und brachten alle möglichen Speisen. Statt eines Truthahns gab es eins von Davids Hühnern. Habt ihr mal Huhn aus dem Garten gegessen? Einen natürlicheren Geschmack von Fleisch habe ich bisher nur auf Saltspring Island erlebt (das ist eine andere Geschichte). Zart, rein und frei von jeglichen Chemikalien. Danach wollt ihr nie wieder Hühnchen aus dem Supermarkt essen!

Freizeit

Als Helfer hat man ja jede Menge Freizeit. Man arbeitet nur 4-6 Stunden am Tag und hat üblicherweise 2 Tage die Woche frei. Ich habe meine freie Zeit genutzt, um die Insel zu erkunden und einfach mal zu entspannen. Mit dem Fahrrad bin ich über die Insel gefahren und manchmal kam ich mir wie Meg Ryan in Stadt der Engel vor. Einfach zwischen Bäumen auf der Straße radeln, seelenallein mit ausgestreckten Armen die klare Meeresluft einatmen.

Meine entspanntesten Momente hatte ich früh am Morgen, wenn noch alle geschlafen haben. Dann habe ich mir einen Kaffee gemacht und mich erst einmal auf den Sessel draußen gesetzt und den Ausblick auf die schneebedeckten Berge genossen. Nachmittags habe ich dann wieder im Sessel gesessen, die Sonne genossen, gelesen, Tagebuch geschrieben…

Mein Host hatte ein Kanu und ein Kayak, das ich nutzen konnte. Am hinteren Teil seines Grundstücks war ein langes, großes Sumpfgebiet und es war einfach super schön und relaxed hier zu kayaken. Absolute Stille, ruhiges Wasser. Hier und da ein Biberhaus. An einem Nachmittag wurde ich sogar von einem Graureiher begleitet, der immer wieder vor flog, landete und wartete bis ich auf seiner Höhe war. In solchen Momenten geht dir einfach nur durch den Kopf

„Ich bin im vollkommenen Einklang mit der Natur!“

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