Hausunterricht – eine lohnende Alternative zum derzeitigen Schulsystem in Deutschland? (Teil 3)

Während es in Teil 2 um die positiven Aspekte von Hausunterricht ging, ist es notwendig, sich auch mit der Kehrseite der Medaille zu befassen:

 

Enormer Zeitaufwand

Die Wahl der Themen, die Suche nach geeignetem Material, Vorbereitung, Planung und Durchführung des Unterrichts können viel Zeit in Anspruch nehmen, wenn der Hausunterricht strukturiert und planvoll durchgeführt werden soll.

 

Finanzieller Aufwand

Der hohe finanzielle Aufwand entsteht zum einen dadurch, dass auf ein zweites Einkommen verzichtet wird, wenn ein Elternteil sich dazu entscheidet, das Kind/die Kinder zu Hause zu unterrichten. Wird ein Privatlehrer eingestellt, so entstehen dadurch (unter Umständen) hohe Kosten.

 

Soziale Kontakte

Sicher, die sozialen Kontakte sind beim Hausunterricht geringer als der soziale Kontakt, den Kinder in der Schule haben. In der Schule ist es unumgänglich, dass Kinder mit ihresgleichen zusammen sind. Doch nicht immer werden Freundschaften geschlossen und der Umgang mit anderen ist erzwungen.

 

Beim Hausunterricht können Eltern die Kontaktaufnahme zu anderen Kindern fördern, indem sie sich mit anderen Familien zusammenschließen, die ebenfalls Hausunterricht praktizieren. Dies können Projekte oder Wettbewerbe sein, an denen sie gemeinsam teilnehmen (so machte es die Familie in Neuseeland, für die ich arbeitete) oder einfach zwei bis drei Kinder gleichzeitig unterrichten. Auch die Anmeldung in einem Sportverein, Musikkurs etc. ist sinnvoll.

 

Leben außerhalb des häuslichen Umfelds

Manch ein Gegner des Hausunterrichts weist gerne auf die mangelnde Vorbereitung auf das Leben außerhalb des geschützten, häuslichen Umfelds hin. Einer der Gründe sei bspw., dass Kinder im Hausunterricht nicht die gleichen Wettbewerbsbedingungen erfahren wie sie in der Schule herrschen.

 

Selbstdisziplin

Hausunterricht erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin – sowohl für die Erziehungsberechtigten, die unterrichten, als auch für die Schüler, den Unterricht regelmäßig durchzuziehen.

 

Geringe Akzeptanz in der Gesellschaft

Hausunterricht ist in Deutschland gesellschaftlich nicht akzeptiert. Oftmals müssen sich Eltern rechtfertigen, wenn sie davon berichten, ihre Kinder gerne zu Hause unterrichten zu wollen.

Wenn ich mich für Hausunterricht ausspreche, ernte ich oft entgeisterte Blicke und eine heftige „das geht ja gar nicht“ – Reaktion, die vor allem einhergeht mit Sorgen und Ängsten.

 

Welche Sorgen und Ängste bestehen bezüglich Hausunterricht?

 

Angst vor Kontrollverlust

Für die Mehrheit der Deutschen muss alles steuerbar und lenkbar sein, nichts darf man dem Zufall überlassen. Der positive Aspekt der deutschen Angst vor Kontrollverlust rührt daher, dass wir Perfektionisten sind. Wir wollen die Besten sein. Das können wir nur erreichen, wenn wir die Kontrolle behalten, denn ein Kontrollverlust bedeutet auch der Verlust von Stabilität und Vorhersehbarkeit.

 

Generell sind die Deutschen ein eher ängstliches Völkchen. Denn obwohl es Deutschland wirtschaftlich gut geht, ist die Sorge um die eigene Zukunft und eine geschwächte Wirtschaft groß. Umso mehr besteht der Wunsch nach verlässlichen Faktoren, die ein Wirtschaftswachstum versprechen. Einer dieser beeinflussbaren Faktoren ist Bildung. Dabei geht es vor allem um den Gedanken, dass Bildung kontrollierbar sein muss, es muss dabei das Ergebnis herauskommen, das förderlich ist für eine positive wirtschaftliche Situation.

 

Das wiederum setzt voraus, dass Lernprozesse und das Ergebnis nachprüfbar sind.

 

Angst, dass sozial Benachteiligte nicht gebildet werden

Eltern und Pädagogen sind besorgt, dass vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien aus der Schule herausgenommen würden, wenn Hausunterricht in Deutschland legal wäre.

 

  1. Mit dieser Sorge wird jedem ALG II Empfänger unterstellt, er sei dumm.
  2. Hausunterricht ist in jedem Land an spezifische Regularien gebunden, an die sich die Antragstellenden halten müssen. Wenn Punkt 1 also stimmen würde, dann würden nicht viele eine Bewilligung für ihren Antrag auf Hausunterricht bekommen.

 

Bei diesem Punkt möchte ich auf eine Studie des kanadischen Fraser Institutes hinweisen, bei der herausgefunden wurde, dass „ das Lernen zu Hause die akademischen Leistungen von Kindern aus Familien der unteren Bildungsschicht zu verbessern (scheint).“ (Quelle: www.fraserinstitute.org)

 

Ein erneuter Blick über den Tellerrand – Ängsten und Sorgen vorbeugen!

 

Wie handhaben andere Länder Hausunterricht?

Generell muss ein Antrag gestellt werden. Die Antragstellung und die damit verbundenen Auflagen werden jedoch von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt. Zum Teil reicht ein ausgefüllter Bogen, in den man seine Begründung erläutert.

 

In manchen Ländern (bspw. Neuseeland), muss auch ein Plan eingereicht werden, der Themen, Methoden und Zeitpläne beinhaltet– einem Lehrplan sehr ähnlich, nur dass Eltern diesen aufstellen, abgestimmt auf die Interessen und Bedürfnisse ihrer Kinder.

 

Außerdem können Gespräche mit Beamten des Bildungsministeriums im Haus der Familie stattfinden, um die Familie und die Örtlichkeiten, an dem Hausunterricht stattfinden soll, kennen zu lernen.  Darüber hinaus können weitere Überprüfungen im Haus der Familie im Laufe des Jahres stattfinden, um sich davon zu überzeugen, dass der Hausunterricht auch tatsächlich stattfindet.

 

Für die älteren Schüler stehen außerdem Tests an, die sie monatlich, halbjährlich bzw. jährlich bestehen müssen.

 

Was ist außerdem ein großer Unterschied?

 

Rolle des Schülers

Das Bild vom „Schüler“ sieht in Deutschland m.E. aktuell folgendermaßen aus: Der Schüler geht zur Schule, folgt den Anweisungen des Lehrers, ist ein leeres Gefäß, das gefüllt werden soll. Da der Schüler nicht reif genug ist, um selbst entscheiden zu können, welche Themen wichtig sind und in welchem Lerntempo und mit welchen Methoden er vorgehen muss, müssen diese Entscheidungen von Erwachsenen getroffen werden. Da Schüler unmotiviert sind, sollte man ihnen eine klare Struktur vorgeben, eine Lernumgebung bereitstellen, die ihnen bewusst macht, dass es nun an der Zeit ist, sich mit bestimmten Themen zu beschäftigen. Vor allem aber ist der Schüler dem Lehrer untergeordnet und sollte seinen Anweisungen Folge leisten.

 

Beim Hausunterricht trifft man auf ein Bild, das mehr Achtung und Wertschätzung beinhaltet: Der Schüler wird als kompetenter Mensch gesehen, der lernen möchte und in der Lage ist, seine Interessen zu verbalisieren. Das wird beim Hausunterricht genutzt, um einen auf den Schüler abgestimmten Lehrplan zu erstellen, der mit dem allgemeingültigen Curriculum vereinbar ist. Dem Schüler wird die Wahl gelassen bezüglich Lerntempo und zeitlicher Struktur.

 

Dieses Bild vom Schüler beinhaltet insbesondere Folgendes: Vertrauen in seine Fähigkeiten!

 

Vertrauen in Eltern

Länder, in denen Hausunterricht erlaubt ist, vertrauen den Eltern und ihren Fähigkeiten zur Bildung des Kindes. Regierungen glauben daran, dass Eltern in der Lage sind, ihre Kinder selbst zu unterrichten.

Und am allerwichtigsten ist wohl der Aspekt, dass Länder wie Kanada, Neuseeland, Australien, England etc. Eltern die Wahl geben, wie die Bildung ihrer Kinder aussehen soll. Dadurch wird der Status von Eltern als Experten für ihre Kinder anerkannt und wertgeschätzt.

 

Zwischenfazit

Hausunterricht hat Vor- und Nachteile und ist in Deutschland mit vielen Ängsten und Sorgen verbunden. Von anderen Ländern zu lernen kann hilfreich sein und aufschlussreiche Informationen geben.

Wie sieht es also aus mit der allgemeinen Schulpflicht in Deutschland? Ist sie überholt und bietet Hausunterricht eine lohnende Alternative zum derzeitigen Schulsystem?

 

Darum wird es in Teil 4 gehen…

2 Gedanken zu „Hausunterricht – eine lohnende Alternative zum derzeitigen Schulsystem in Deutschland? (Teil 3)

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