Es ist nicht leicht, ein Millennial zu sein

 

Ich bin ein typischer Millennial, geboren zwischen 1980 und 2000. Ich gehöre zur Generation Y. Das Streben nach Selbstverwirklichung ist unser Glück als auch Fluch zugleich. Haben wir nicht genug Freiraum und können unsere Ideen nicht einbringen, verfallen wir in tiefstes Leid.

 

Die Generation will alle zugleich: Einen guten Job, viel Freizeit und dann soll auch noch all das einen Sinn machen. Wir wollen nicht einfach nur Befehlen folgen, die von oben kommen. Wir wollen nach unserer Meinung gefragt werden und Wertschätzung und Lob erhalten (vermutlich, weil wir unser Leben lang im deutschen Bildungssystem kritisiert wurden).

 

Die Generation Y ist eine Generation, der sich plötzlich eine Unzahl an Türen mit unzähligen Möglichkeiten öffnet. Globale Mobilität und moderne Technologie macht es möglich, ortsunabhängig zu arbeiten, wann und wo wir wollen.

 

Wir sehen uns mit Türen konfrontiert, hinter denen sich unbekannten Welten, Wege und Abenteuer befinden, die wir entdecken und erleben wollen.

 

Das große Problem dabei? Durch welche Tür sollen wir gehen? Welche Tür verspricht die beste Möglichkeit?

Das zweite große Problem? Wir wollen das, was dahinter liegt, vorhersehen und kontrollieren können. Denn so risikobereit wir auch sind, ein bisschen Sicherheit wollen wir schon.

 

Rückblick

Wenn ich nun zurückblicke auf das letzte Jahr, dann blicke ich zurück auf ein Leben voller Entdeckungen, Abenteuer und Selbstverwirklichung.

Bereits vor eineinhalb Jahren wollte ich durch Europa reisen und schauen, ob ich in einem anderen europäischen Land leben möchte. Stattdessen bin ich für zwei Wochen nach Kanada geflogen, weil ich solches „Heimweh“ hatte.

Es hat zwei Jobs und ein weiteres Jahr gedauert bis ich endlich den Mut zusammengebracht habe, mich wieder raus zu ziehen. Raus aus gesellschaftlichen Vorstellungen, wie das Leben einer Mittdreißigerin aussehen sollte (angekommen und immerzu das Gleiche).

 

Ich blicke zurück auf Orte und Begegnungen mit Menschen und fantastischen Gestalten, die mich  zu einer fantastischen Geschichte inspiriert haben. Ohne meinen Europatrip hätte es mein aktuelles Buchprojekt („Reisen mit Schildkröte. Fantastische Fakten über ausgewählte Sehenswürdigkeiten Europas“) überhaupt nicht gegeben.

 

Ich blicke zurück auf ein Jahr ohne Zigaretten. Das war oft nicht leicht und auch jetzt gibt es noch ein paar Mal im Monat Situationen, in denen ich Lust auf eine Kippe habe. Aber ich habe es geschafft und kann es selbst kaum glauben. Vermutlich war ich endlich in der richtigen Lebenssituation und die Strategie, Gruppensessions mit Therapeutin und Selbsthypnose-Videos mit Michael Sealey, waren das Richtige für mich.

 

Ich blicke zurück auf ein Jahr Ausbildung zur Natur- und Wildnispädagogin, die nächsten Monat zu Ende geht. Dazu habe ich gemischte Gefühle. Zwar bin ich Natur wieder näher gekommen und ich habe definitiv viele Impulse bekommen, doch meine Reise hat dazu geführt, dass ich mich nicht einhundert Prozent darauf konzentrieren konnte.

 

Unzählige Optionen

Der Winter neigt sich dem Ende zu. Die ersten Knospen machen sich an den Bäumen bemerkbar und auch wenn die letzten Kältewellen bevorstehen, spüre ich, dass der Frühling naht. Eine neue Lebensphase wird beginnen, voller Chancen, voller Möglichkeiten.

Wie werde ich mich entscheiden? Wie wird mich das Universum unterstützen? In den letzten Wochen habe ich viel Tarotkarten gelegt, meditiert und bin in mich gegangen. Ruhe ist bisher nicht eingekehrt. Mein Gedankenkarussell dreht sich munter weiter und macht mich schwindelig.

 

Da sitze ich nun und reflektiere über meine Lebenssituation, muss mich zwischen drei Möglichkeiten entscheiden:

Ein Leben in Kanada mit erneutem Einwanderungsstress, wenig Kohle, dafür aber atemberaubende Landschaften und positiven Kanadiern

Ein Leben in Deutschland mit vier Tagen Arbeit, drei Tage die Woche und Schulferien frei, dafür wenig Geld und umgeben von nörgelnden Deutschen, aber viel Gestaltungsspielraum bezüglich freiberuflicher Aufträge und Schreibprojekten

Übergangsweise ein saisonaler Job in Griechenland und beruflich mal was Neues ausprobieren bis ich mir vollends klar darüber bin, was ich will

 

Ich, eine Millennial, weiß, dass es daneben noch zig Möglichkeiten gibt, doch die blende ich aus. Irgendwie muss ich meine Optionen reduzieren und ich bin schon mit diesen dreien überfordert. Habe in den letzten zweieinhalb Wochen 15 (!) Bewerbungen verschickt, um mir ja jeden Weg offen zu halten.

 

Will nicht die falsche Entscheidung treffen (wie mit der Schweiz  oder meinem ersten Job in Kiel) und will wissen, was hinter den Türen liegt. Doch die bleiben (noch) geschlossen, nur durch’s Schlüsselloch kann ich schauen und erahnen, was dahinter liegt. Sehe kleine Ausschnitte, die (noch) keinen Sinn ergeben bis ich hindurchgehe und sich mir das ganze Bild erschließt.

 

Lies die Zeichen

Eine unserer wildnispädagogischen Vertiefungsübungen ist es diesen Monat die Zeichen unseres Sitzplatzes zu lesen.

Meine Güte, das war ein Erlebnis, ich sag’s euch!

 

Viele Wege, gesäumt mit Hindernissen (Äste).

Wohin die Wege führen sieht man von meinem Sitzplatz aus nicht.

 

Gleich links führt ein Weg zum Haus (da will ich nicht hin, zu statisch, wenn auch mit schöner Aussicht), rechts einer zum Zaun (der Weg ist versperrt).

Drei weitere Wege offenbaren sich mir auf dem Rasen. Einer wird sich später als Sackgasse herausstellen. Der Pfad, der am rechtesten liegt, führt an einem Baum vorbei, der in der Mitte stark nach rechts gebogen ist und dann zurück nach links und schließlich wieder gerade nach oben gewachsen ist. Auf diesem Weg werde ich mich wohl verbiegen müssen.

 

Ich bekomme immer wieder die gleiche Nachricht von dem Baum (eine Douglasie übrigens, die wunderbaren Zitronengeruch versprüht), an dem ich lehne:

 

Geh den Weg und vertraue.

 

Also stehe ich auf und gehe los.

Einer der Wege wird es sein. Doch welcher?

 

Weiter hinten erspähe ich das Gartentor und weiß, dass dahinter noch mehr Möglichkeiten liegen. Eine Straße, die in fremde Welten führt, in denen ich bisher noch nicht war. Reizvoll, nicht wahr? 😉

Doch solange ich mich nicht entscheide, kann das Universum keine Magie wirken lassen. Ich muss in meinen Flow, nur dann kann ich das Beste für meine Zukunft herausholen.

Denn das wollen wir Millennials um jeden Preis: Das Beste für unsere Zukunft 😉