Eine kleine Mademoiselle entsteht

Wenn mir eine Idee zu einer Geschichte kommt, muss ich immer unwillkürlich an die Szene aus der „Unendlichen Geschichte“ denken (mein absolutes Lieblings-Kinderbuch!). Er gibt ihr den Namen „Mondenkind“ und rettet damit Phantasien. Dann stehen Bastian und die kindliche Kaiserin im Dunkeln und sie gibt Bastian ein leuchtendes Samenkorn.

Alles, was Bastian nun tun muss, ist einen Wunsch äußern, um ein neues Fantasien, eine neue Fantasiewelt entstehen zu lassen. Ein Wunsch, eine Idee, die eine ganze Welt erschafft.

 

Für mich entstand „Mademoiselle Loisette“ als kleiner Funke, als leuchtendes Samenkorn im Dunkel.

 

Herbst 2011

Ich wollte meiner Patentochter L. zur Geburt eine Geschichte schenken – Kinder brauchen Geschichten, tauchen ein, leben ihre Fantasie aus und kreieren komplett neue (Fantasie-) Welten. Vor allem aber finden sie sich oftmals in den Geschichten wieder und identifizieren sich mit der Hauptperson.

 

Ich wollte ihr eine Geschichte schreiben über ein liebenswertes,

freches und stürmisches Mädchen.

Eine leise Stimme flüsterte mir zu, dass diese Geschichte von einer Mademoiselle handelte, einem Mädchen, dessen Namen mit „Loi“ anfing.

Bei meiner Suche nach einem Namen stieß ich auf „Louisette“. Ich strich das „u“ und zack hatte ich einen Namen, der mit „Loi“ anfing: Loisette!

Mademoiselle Loisette war geboren und so auch Fifi, denn sobald ich Loisettes Namen hatte, tauchte eine weiße, grummelige Katze neben ihr auf.

Worum geht es also?

Mademoiselle Loisette war acht Jahre alt. Genau genommen war sie bereits achtdreiviertel. „Fast neun“, sagte Mademoiselle Loisette immer, wenn sie gefragt wurde, wie alt sie sei. Dann zeigte sie fünf Finger ihrer linken Hand, drei Finger der rechten Hand und wackelte mit dem kleinen rechten Finger. Der stand für dreiviertel.“

Loisette ist eine besondere kleine Mademoiselle, denn sie hat vier ganz spezielle Freunde: Die Jahreszeitenwinde!
Sie kämpft mit dem Herbstwind, fährt Schlitten mit dem Winterwind, lacht mit dem Frühlingswind und lässt sich vom Sommerwind durch die Haare streichen. Und ihre Katze Fifi? Die schmollt!
Ein Buch für alle, die manchmal vergessen, wie wunderbar gemütlich ein Herbststurm sein kann, ein Tag im kalten Schnee oder ein frühlingshaftes Kitzeln in der Nase, und die stattdessen lieber schmollen.

(Text: Kiki Kreuder/Illustrationen: Israel Hernando Gamborino)

Doch zunächst führte mich mein Weg nach Kanada. Jahre vergingen und Mademoiselle Loisette schlief in meiner Schreibtischschublade.

 

Sommer 2014

Dann stieß ich auf die Plattform Oetinger34 und dachte mir, dass das eine super Gelegenheit ist, als neuer Autor einen Fuß in die Verlagstür zu bekommen:

 „Wer Kinder- und Jugendbuchtexte schreibt oder illustriert und auf der Suche nach einem Verlag ist, ist hier goldrichtig. Und wer gern Texte lektoriert oder liest ebenfalls. Denn für Oetinger34 haben wir eine neuartige Software entwickelt, mit der alle Kreativen kollaborativ zusammenarbeiten können. Wir schaffen Raum für neue Ideen und Formate. Auf Oetinger34 können Autoren Lektorinnen einladen, an ihrem Projekt mitzuarbeiten. Illustratoren können nach Autorinnen suchen, deren Stil zu ihrem Strich passt. Und Leser begleiten den Schaffensprozess kommentierend von Anfang an. Der Ort für Euren Erfolg: unser Weißraum. Er bietet die Möglichkeit, mit dem Team der eigenen Wahl unmittelbar und geschützt an Texten und Bildern zu arbeiten.“ (https://www.oetinger34.de/ueber)

Ich meldete mich an und hoffte, dass ich hier einen Illustrator/Illustratorin finden würde. Doch alle Illustratoren, die ich anschrieb, arbeiteten bereits an mehreren Projekten.

 

Winter 2014/Frühling und Sommer 2015

Im Dezember 2014 erreichte mich per Email der Adventskalender einer ehemaligen Schulfreundin, Carina. Jeden Tag sendeten sie an Familie und Freunde ein Zitat und eine Zeichnung. Carina suchte die Zitate aus und ihr Mann Israel erstellte wunderbare Illustrationen.

Ich war so begeistert von seinem Stil, dass ich ihn fragte, ob er nicht Lust hätte, „Mademoiselle Loisette“ zu illustrieren. Er sagte ja und danach hörte ich erst einmal 6 Monate nichts von Israel. War nicht schlimm, ich war in Kanada und genoss meine Zeit dort 🙂 Umso schöner war die Überraschung, als er mir seine ersten Skizzen zuschickte:

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Genau so hatte ich mir Mademoiselle Loisette  vorgestellt!

Doch auch dann tat sich zunächst einmal nicht viel. Im darauffolgenden Jahr war Israel mit seiner Arbeit beschäftigt und ich befand mich im Einwanderungsprozess nach Kanada (aus dem leider nichts geworden ist).

 

Frühjahr 2016

Seit dem Frühjahr 2016 hatte Israel mehr Zeit, sich den Illustrationen zu widmen und Mademoiselle Loisette und Fifi nahmen (auf dem Blatt) immer mehr Gestalt an.

Bestanden ihre Kleider bisher nur aus Worten, schillerten sie nun in allen Farben!

Luisa, Junior-Lektorin bei Oetinger34, schloss sich zu unserem Projekt an und gab mir viele hilfreiche Rückmeldungen und konstruktive Kritik, was am Text noch einmal überarbeitet oder verändert werden sollte. Bisher hatte ich den Herbstwind sehr ausführlich beschrieben, die anderen Winde noch nicht genug.

Luisa und ich waren nicht immer einer Meinung, manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass ihre Änderungsvorschläge zu sehr die Grundessenz von Mademoiselle Loisette verändern würden. Und dennoch war es für mich gut, mir den Text noch einmal genau anzugucken und Argumente zu finden warum wieso weshalb der ein oder andere Satz genau so stehen bleiben muss.

Ein großes Thema war zum Beispiel, warum Mademoiselle Loisette ALLE Winde mag. Mir war dieser Punkt sehr wichtig, denn es soll zeigen, dass Kinder in jeder Jahreszeit etwas Gutes sehen. Wir Erwachsene beschweren uns nur allzu schnell und vergessen manchmal, dass alles auch eine positive Seite hat.

Und Fifi? Na, die schmollt! Manchen kann man es einfach nicht recht machen 😉

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Sommer 2016

Israel zeichnete und zeichnete und ich stimmte den Text immer wieder mit Luisa ab.

Doch dann gab es noch den Weißraum, in dem wir arbeiteten…und der immer wieder Probleme machte!

Ich konnte den Text nicht einfach kopieren und in den Weißraum einfügen, diese Funktion bietet Oetinger34 bei Bilderbüchern nicht an. Warum auch immer…

Also musste ich den Text Wort für Wort eingeben, sehr nervig. Israel konnte die Bilder nicht einfach über den Text „drüberlegen“ und musste ihn in seine Illustrationen einfügen, ich löschte den Text im Weißraum wieder und er versuchte die Zeichnungen inklusive Text hochzuladen. Auch hier gab es wieder Schwierigkeiten.

So schön die Idee auch ist, dass man gemeinsam an einem Projekt auf einer Plattform arbeiten kann, der Weißraum ist für den Arsch!

Irgendwie haben wir es doch geschafft, alles so hochzuladen, wie es sein soll und dann wurde es ernst.

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Herbst 2016

Das Herbst-Voting stand an und wir wollten unbedingt dran teilnehmen. So lange hatten wir bereits daran gearbeitet und es wurde Zeit für den nächsten Schritt.

Beim Oetinger34 Voting reicht der Autor das Buchprojekt ein und die „Lektorinnen aus den anderen Kinder- und Jugendbuch-Verlagen der Gruppe (ellermann, Dressler, Verlag Friedrich Oetinger) werden Eure Voting-Titel aus dem Bilder- und Kinderbuch-Bereich für ihre Programme prüfen“ (https://www.oetinger34.de/wettbewerbe/voting/geplante_votings).

Bisher hatten wir uns viel Zeit gelassen, doch jetzt hatten wir eine Deadline und Israel arbeitete unter Hochdruck! Wir hatten noch kein Titelbild und ein paar Zeichnungen mussten noch einmal ausgebessert werden.

Außerdem schrieb ich alle aktiven Leser an und bat um Rezensionen. Doch auch hier war das Ergebnis, wie zuvor bei der Anfrage nach Illustratoren, wieder sehr enttäuschend. Nur 2 von ca. 30 antworteten auf meine Nachricht und schrieben eine Rezension.

Katjas und Henrikes Anmerkungen (tolle Illustrationen, tolle Geschichte, aber zu lang und zu viele Adjektive) fand ich sehr hilfreich und ich kürzte den Text noch einmal. Ja, nachdem ich die Geschichte vor ein paar Monaten erweitert hatte, strich ich nun wieder einige Sätze…

 

Israel bei der ArbeitUnd bescherte Israel damit in seinem wohlverdienten Urlaub doch noch einmal Arbeit, denn er musste den veränderten Text wieder neu in den Weißraum einfügen.

 

Gesagt, getan und zack habe ich unsere „Mademoiselle Loisette“ zum Voting geschickt, gefolgt vom stürmischen Herbstwind, dem kalten Winterwind, dem lieblichen Frühlingswind und dem friedlichen Sommerwind – und der schmollenden Fifi 🙂

 

Wie ihr seht, hat „Mademoiselle Loisette“ eine lange Reise hinter sich und ich bin schon ganz aufgeregt, ob sich hier eine Chance auftut oder ob wir uns was Neues einfallen lassen müssen.

 

 

Jetzt liegt es an den Lektoren der Verlage. Israel, Luisa und ich können nur abwarten und Tee trinken. Auf der Couch, während draußen der Herbstwind an Bäumen schüttelt und rüttelt und bunte Blätter herabfallen.

 

Drückt uns die Daumen! 🙂

 

PS: Ich kann euch gar nicht sagen, wie begeistert ich von Israels Illustrationen bin! Die Zusammenarbeit mit ihm war so problemlos und toll, besser hätte es nicht laufen können!

Tausend Dank Isra!!

Und auch vielen, vielen Dank an Luisa! Ohne Dich wäre der Text nur halb so gut 😉

 

 

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