„Du bist deutsch? Oh.“

Auf meinen Reisen und während meines Lebens im Ausland habe ich viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern getroffen. Beim Reisen gibt es immer um die Standard-Fragen wie „Seit wann bist du hier? Wie lange bleibst du? Was willst du dir noch ansehen?“

Doch die wichtigste Frage war immer „WO KOMMST DU HER?“

Es war für mich sehr interessant zu hören, aufgrund welcher Information wir einordnen, aus welchem Land jemand kommt.  Der erste Eindruck zählt. Wie sieht sie aus? Welche Kleidung trägt er? Wie spricht sie?

Mich verriet  meist mein Aussehen. Blond und blauäugig. „Du kommst bestimmt aus Schweden, Deutschland oder den Niederlande!“

Wenn ich Deutschland als Herkunftsland bejahte, bekam ich meist zur Antwort:

„Du bist deutsch? Oh.“

Und dann folgte kurz betretenes Schweigen. Warum? Weil Menschen anderer Nationalitäten ein bestimmtes Bild von Deutschen im Kopf haben.

Ich habe einmal gesammelt, was mir Menschen anderer Nationalitäten über den Stereotyp „Deutscher“ erklärt haben:

„Deutsche sind reserviert“

Stimmt. Deutsche wollen immer genau wissen, mit wem sie es zu tun haben. Sie sind vorsichtig und warten ab.  Doch wenn sie ihre erste Vorsicht überwunden haben, findet man in ihnen loyale und zuverlässige Freunde und/oder Geschäftspartner.

Im Vergleich dazu, sind Kanadier immer höchst freundlich, zuvorkommend und meist bekommt man nach 5 Minuten Gespräch das Angebot, sich doch mal auf einen Kaffee zu treffen. Danach hört man nie wieder was von ihnen.

Bei Neuseeländern habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie zwar auch mega freundlich und hilfsbereit sind, doch auch ein wenig reserviert. Eine schöne Mischung zwischen Deutschen und Kanadiern, meint ihr nicht? 😉

 „Deutsche glauben, sie wissen alles besser“

Ja. Zum Teil stimmt das sogar manchmal, weil das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich einen sehr hohen Standard hat.

Oft ist es aber so, dass Deutsche es besser wissen wollen und keine andere Meinung zulassen können.

Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Deutscher bei einer Wanderung mitten im Wald das Handy zückt und den Weg googelt, weil er weder seinen Mitwanderern noch dem Schild glauben will, denn er weiß es schließlich besser. Das ist mir übrigens zweimal passiert. Und nicht mit der gleichen Person.

 „Deutsche sind immer pünktlich und super organisiert“

Ja, stimmt. Während das erste sehr geschätzt wird, ist der organisierte Deutsche nicht so gerne gesehen. Denn seine planvolle Art schränkt seine Handlungsfähigkeit bei plötzlicher Veränderung ein. Flexibel sind die Deutschen daher nicht. Es muss immer nach Plan laufen.

„Deutsche haben viele Regeln. Sie halten sich immer daran“

Stimmt. Sie halten sich an Regeln und zwar haargenau. Sie weisen auch gerne auf Regeln hin. Es gibt ihnen Halt und Sicherheit.

Zum Vergleich: Kanadier haben auch viele Regeln, aber sie gehen ein wenig anders damit um: Sie biegen sie.  Das erweitert den Spielraum, in dem man sich bewegen kann und gibt die Möglichkeit, sich zu bessern. Regeln sind hier Auslegungssache.

 „Die deutsche Sprache hört sich harsch an“

Meist wurde dann dazu erklärt, dass Deutsche insbesondere das „r“ immer sehr hart aussprechen. Stimmt zum Teil, doch die Aussprache des „r“ ist regional sehr unterschiedlich. In Trier, meiner Heimatstadt und in der Nähe von Luxembourg und Frankreich, wird das „r“ beispielsweise ähnlich „hart“ wie im französischen ausgesprochen.

Deswegen habe ich dann auch immer gefragt, ob sie denn auch die französische Sprache als hart empfänden.  Fast immer kam als Antwort „Nein, französisch ist doch leidenschaftlich und die Sprache der Liebe!“

Übrigens erklärte mir letztes Jahr eine Australierin, warum Deutsche so „stakkato“ reden: „Wegen Hitler, weil er auch so geredet hat“. Soso.

„Deutsche sind immer viel zu direkt“

Ja, stimmt. Deutsche sind nicht gerade Meister darin, in der „Blumensprache“ zu sprechen. Deutsche umschreiben nicht mit schönen Worten, sondern kommen direkt auf den Punkt, weil sie schlichtweg nicht den Sinn darin sehen, drum herum zu sprechen.

Aber das kommt nicht immer gut an. Oftmals wird es als unhöflich von anderen Nationalitäten empfunden. Nicht immer muss man dem Gegenüber sagen, dass das Oberteil zu eng ist und man die Speckrollen nur allzu deutlich sieht. Dann vielleicht einfach lieber mal den Mund halten. Oder ein Kompliment zu den schönen Ohrringen machen 🙂

„Auf Deutsche ist Verlass“

Stimmt. Wenn ein Deutscher sagt, er macht etwas, dann macht er es auch. Das ist etwas, was ich manchmal in anderen Ländern vermisse: Die Zuverlässigkeit.

„Deutsche tragen Jack Wolfskin Jacken und Sandalen mit weißen Socken“

Ich muss gerade ein bisschen schmunzeln, wenn ich an Begegnungen auf Wanderungen im Ausland denke. Also: Ja, stimmt!

Na, habt ihr euch hier wieder gefunden? Was haben Menschen aus anderen Ländern euch über den Stereotyp „Deutscher“ erzählt? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Und wenn ihr das nächste Mal im Ausland wandern geht, achtet mal auf die Jack Wolfskin Jacken und die Wandersandalen mit weißen Socken 😉

 

4 Gedanken zu „„Du bist deutsch? Oh.“

  1. Deutsche haben Deuter Rucksäcke und Outdoorhosen, bei denen man die Hosenbeine per Reißverschluss abmachen kann.
    Und ich bin mir sicher, dass sich (zumeist ältere) Deutsche Frauen daran erkennen lassen, wie sie ihre Handtasche umhängen: da man immer auf der Hut sein muss das sie geklaut wird, wird sie quer über den Körper gehangen, mit der Öffnung zum Körper gedreht, halb vor dem Bauch und beide Hände schützend darüber.

    Vielleicht ist es auch typisch Deutsch das wir uns über das alles Gedanken machen, wie man uns in der Welt sieht. Ich kann mich nicht daran erinnern anderen Nationalitäten in Kanada begegnet zu sein, die ihre Eigenarten hinterfragt haben.

    • Sorry für meine späte Antwort, danke für Deinen Kommentar! Beim Reisen oder auch als ich in Vancouver gelebt habe, haben Menschen von sich aus gesagt, was sie über Deutsche denken – ohne dass ich nachgefragt hätte. Das fand ich so verwunderlich, dass ich darüber schreiben wollte.

  2. Der Artikel ist zwar schon ein paar Monate alt, aber ich fand ihn recht witzig. Vor allem der Punkt zu den Jack Wolfskin Jacken 😀
    Ich reise auch sehr viel und habe in 3 verschiedenen Ländern gearbeitet/gelebt (Deutschland nicht eingerechnet) und werde im August wieder für mind. 2 Jahre weggehen.
    Auf die Antwort, dass ich aus Deutschland komme, kam nie (!!!!!) Schweigen! Egal, in welchem Teil der Welt ich war (Europa, Nordamerika, Mittelamerika, Westafrika, Südostasien), es kamen eher positive Reaktionen „Ohhh…. wirklich?! Ich war mal in [deutsche Stadt]! Meine Tante wohnt in [deutsche Stadt]! Mein Cousin lernt Deutsch am Goethe Institut!“ usw etcpp.
    Was ich jedoch zu hören bekommen habe und was mir nicht sonderlich gefallen hat: Die typische „German Angst“. Sich ständig sorgen, ständig alles planen (und vor allem einen Plan B in der Hand haben!), alle eventuellen Ausgänge in Erwägung ziehen……. Diesen Ausdruck habe ich schon als etwas kränkend empfunden. Zumal ich eine Person bin, die sich bewusst vor einigen Jahren gegen eine lebenslange Verbeamtung (und somit Planbarkeit und Sicherheit) entschieden hat, die eher spontan schaut, wo sie in den nächsten Monaten arbeiten und leben wird, die in Deutschland immer nur zur Zwischenmiete wohnt, um sich ja keine Möbel kaufen und keine Verträge abschließen zu müssen…. Naja….
    Im Großen und Ganzen ist das Bild der Deutschen im Ausland unfassbar positiv!

    • Hi Kat, danke für Deinen Kommentar! Zugegebenermaßen ist der Schwerpunkt des Artikels eher auf den negativen Seiten des Bilds von Deutschen im Ausland. Ja, insgesamt ist das Bild von Deutschen im Ausland recht positiv, vor allem die typisch deutsche Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Planung und Organisation wurden immer in den Vordergrund gestellt. Doch sobald das im Arbeitskontext vorkam, wurden da gerne mal Scherze drüber gemacht und da hörte es sich schon nicht mehr so positiv an, eher als nervige Eigenschaft.
      Lustig, ich habe im letzten Jahr auch nur zur Zwischenmiete gewohnt und wollte mir keine Möbel kaufen. Ich ziehe im Jui wieder weiter, diesmal durch Europa. Wo verschlägt es Dich denn hin?

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