Carol (1/3): “Ich verließ Indien als Mädchen und kam aus London als Frau zurück”

„Alles war neu für mich“

Ich habe meinen Bachelor in Massenkommunikation in London gemacht. Ich liebte London, all die schönen Orte und Menschen. Dort waren verschiedene Menschen aus allen möglichen Ländern.

 

Alles war neu für mich.

Die Sprache, die Kultur, die Menschen, der Lifestyle,

alles war neu! Es war überwältigend.

 

Am Anfang war es sehr aufregend, aber das legte sich und dann war ich so „oh scheiße, in was habe ich mich reinmanövriert?“ Es ging also erst hoch und dann ging es steil bergab und da blieb es auch für einige Zeit. Aber es ging auch wieder hoch.

 

Was anders an London war, ist, wie akzeptierend sie waren. Du konntest weiß, schwarz oder irgendeine Farbe dazwischen sein und niemanden interessierte es. Jeder war so beschäftigt mit seinem Leben und ich hatte das Gefühl, wenn ich eine Tasche fallen lassen würde und sie da ließ, dann würde jeder einfach nur drüber gehen.

 

Ich glaube, es war so anders für mich, denn dort, wo ich in Indien gelebt habe, weiß jeder alles über einen. Ich komme aus einer kleinen Stadt und ich wuchs damit auf und erlebte das für 18 Jahre meines Lebens, jeden kümmerte es, was ich machte. Zum Beispiel mit wem ich sprach, was ich mit meinem Leben machte, all diese Sachen.

Und dann zog ich in ein Land, in dem sich keiner um mich scherte.

Das war gut und es war aber auch schlecht.

 

Briten zeigen ihre Gefühle nicht, das war für mich immer ein Problem. Wenn ich glücklich bin, siehst du es mir an; wenn ich wütend bin, siehst du es mir an. Habe ich gelernt, meine Gefühle zu beherrschen? Ich versuchte es, aber ich gebe zu, ich habe kläglich versagt. Jetzt habe ich gelernt, das zu akzeptieren als etwas, dass es ein ‚einzigartiger‘ Teil von mir ist.

 

„Ich musste an einem Ort wie London sein, um erwachsen zu werden“

Ich war jung, und ich brauchte ein paar Versuche, um herauszufinden, wie man unabhängig ist und wie ich mein Leben leben soll. Das ist etwas, das London mich lehrte, unabhängig zu sein. Ich brauchte eine Weile, um meine Balance zu finden.

 

Ich wusste nicht, wie die Dinge funktionieren. Ich weiß noch, dass ich all diese spam email bekam und ich beantwortete alle, weil ich dachte, es sind echte emails.

 

Es half mir, mich selbst mehr zu kennen, denn ich war alleine dort. Ich musste dafür sorgen, dass ich mich um mich kümmerte. Ich musste dafür sorgen, dass ich studierte und Halbtags arbeitete, das habe ich in Indien nie gemacht.

 

Als ich London verließ, wusste ich, ganz egal, was passiert, ich werde immer ok sein. Es war als hätte mich jemand ins Meer geworfen ohne mir vorher zu zeigen, wie man schwimmt. Ich lernte zu überleben.

 

Ich ging nach London als Mädchen, aber ich verließ London als Frau.

Das war gut.

 

Ich musste an einem Ort wie London sein, um erwachsen zu werden,

um reifer und mehr welterfahrener zu werden.

 

Ich war ein sehr beschütztes Kind. Meine Eltern und mein Bruder sagten mir immer, was ich tun sollte. Ich war die Jüngste. Ich gehorchte immer, ich musste nie an mich selbst denken und ich musste nie Verantwortung übernehmen.

Das war schön, aber es machte mich nicht zu einer klugen Person. Aus so einer Situation zu kommen und an einen Ort wie London zu ziehen, war eine riesen Lebenserfahrung.

 

Was ich nicht mochte, waren die hohen Lebenskosten in London, das meiste Geld, das ich verdiente, gab ich wieder aus. Ich lebte nicht viel, war immer nur am Arbeiten, immer am Studieren. Ich war eine arme Studentin mit einem hohen Schuldenberg. Jeden einzelnen Penny, den ich verdiente, musste ich zurückgeben. Meine Studiengebühr war 9000€ im Jahr, für 3 Jahre plus die Lebenskosten, die ungefähr der gleiche Betrag waren. Es war also eine hohe Geldsumme. Es war schwierig.

 

Es gab Zeiten, da war ich überfordert und fühlte mich sehr alleine. Ich hatte die besten und die schlechtesten Tage in London.

 

Ich musste diese Erfahrung machen, um die Person zu werden, die ich jetzt bin.

 

Dubai war danach wie Ferien. Es war viel einfacher.

 

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