Carol (2/3): “Dubai machte aus mir einen sehr faulen Menschen“

Zu der Zeit als ich nach Dubai ging, war ich erwachsen und kein Kind mehr, das Leben war soviel besser

 

Es gab viele Nationalitäten dort, aber die meisten blieben unter sich. Ich habe mit Libanesen und Arabern gearbeitet und wenn es eine Party gab, sind sie alle in ihren eigenen kleinen Gruppen geblieben. Da hat man nicht viel miteinander zu tun gehabt.

Oder vielleicht war ich auch einfach nur zu bequem mit meinen eigenen Freunden, sodas ich mich nicht so bemüht habe, wie ich es jetzt tue.

Und ich konnte kein arabisch. Ich konnte „hallo“ in arabisch sagen und das war’s auch. Aber jeder sprach englisch, es ist die Geschäftssprache.

 

Als Frau fühlte ich mich immer respektiert, sicher und wohl.

 

Dubai ist sehr modern und du kannst anziehen, was du willst. In Shopping Zentren gibt es natürlich Einschränkungen. Man kann zum Beispiel keinen Bikini dort anziehen.

Das ist einfach gesunder Menschenverstand.

 

Nicht aufgeben bis das Ziel erreicht ist

Nach Dubai ging ich nach meinem Abschluss, das war als die Wirtschaftskrise war und ich hatte kaum Arbeitserfahrung und versuchte einen Job zu finden.

Ich bekam von Jedem zu hören „du kamst zur schlechtesten Zeit überhaupt“, Menschen wurden abgelehnt und es war sehr enttäuschend von anderen Leuten zu hören, dass ich niemals einen Job finden würde, aber ich bekam einen innerhalb meines ersten Monats in Dubai!

 

Das war also etwas, das Dubai mich lehrte: Es gibt Chancen und manchmal siehst du sie nicht, wenn sie direkt vor deinen Augen sind. Es lehrte mich auch, dass ich niemals aufgeben soll bis ich mein Ziel erreicht habe, egal, was es ist.

 

Ich erinnere mich noch als ich mein erstes Bewerbungsgespräch hatte und meine Freunde mich nicht hinbringen konnten, weil sie arbeiten mussten. Also musste ich einen Polizisten nach dem Weg fragen. Er sprach kein Englisch, also rief er jemanden an, der englisch konnte und gab mir das Telefon und so halfen sie mir.

Ich dachte „oh wow, ich mag dieses Land jetzt schon“.

 

„Es machte aus mir einen faulen Menschen“

Ich hatte mein eigenes Geld und konnte Geld sparen (es gibt keine Steuern, das ist also ein Plus), aber ich gab es auch aus für Essen, Taxi und Shopping.

 

Fähig zu sein, alles zu kaufen, war etwas, das ich nicht gewohnt war,

weil ich vor Student war.

Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich Geld ausgeben

ohne mir großartig Sorgen zu machen.

 

Aber ab einem gewissen Punkt machte es mich auch zu einem sehr faulen Menschen. Man konnte alles zur Tür geliefert bekommen. Wenn du eine Flasche Wasser wolltest, hast du die Typen im Laden angerufen und sie haben es dir geliefert. Also wurde ich ziemlich faul und sehr bequem.

Ich wurde verwöhnt, meine Mutter wusste das und sagte „jetzt ist Schluss. Es ist nicht das Ende deines Lebens und du sollst nicht so gleichgültig werden“. Sie wusste, es würde mich verändern.

Also holte sie mich nach Indien zurück.

 

“Nach drei Monaten warf sie mich aus dem Haus ”

Als ich nach Hause kam, sagte meine Mutter „es ist Zeit, dass du der Realität ins Auge siehst. Niemand wird dir hier deine Taschen packen, niemand wird dir deine Lebensmittel nach Hause tragen“.

Also warf sie mich nach drei Monaten aus dem Haus. Das war strenge Mutterliebe.

Ich suchte mir einen Job und bekam auch eine Stelle innerhalb eines Monats und dann arbeitete ich fast ein Jahr in Indien.

 

Es war aber überhaupt nicht einfach, denn ich hatte mein Zuhause als Mädchen verlassen und kam zurück als Erwachsene. Mit meinen Eltern zu leben machte es auch nicht leichter und ich war an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich starke Meinungen zu allem hatte. Ich versuchte es und es funktionierte nicht.

 

Zurück nach Indien zu ziehen war ein Test.

Ich realisierte, was ich in meinem Leben wollte.

 

 Jetzt weiß ich genau, dass ein Leben in Indien für mich zu diesem Zeitpunkt meines Lebens nicht in Frage kommt.

Ich musste gehen und die Welt entdecken. Und ich entschied, weiter zu studieren und deswegen bin ich nun in Kiel.

 

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