„Bei unschooling geht es darum, dem Lernstil und den Interessen der Kinder zu folgen“

Ellen lebt mit ihren fünf Kindern und ihrem Mann auf einer Hobby-Farm am Rande von Taupo, Neuseeland. Ihr Mann arbeitete überwiegend Schichtarbeit und Ellen unterrichtete die Kinder zu Hause. Ich habe sie getroffen und sie erzählte mir über ihren unschooling Ansatz.

Über unschooling

Ich habe fünf Kinder und die drei ältesten Kinder sind ein Jahr zur Schule gegangen als mein Ältester 8 Jahre alt war. Sie gingen zur Schule, weil ich so viel familiären Druck und Druck von Freunden bekommen habe. Ich gab auf und schickte sie zur Schule.

Meine zwei Ältesten hassten das Mobbing, aber sie liebten die Freundschaften – was sehr interessant ist, denn beider haben soziale Probleme. Ich glaube, es war keine gute Idee, sie einfach nur wegen des sozialen Aspekts (in die Schule) zu schicken.

Ich folge einem unstrukturierten Ansatz mit verschiedenen strukturierten Teilen. Normalerweise haben wir morgens und abends eine Art von Struktur und der mittlere Teil ist unstrukturiert. Wir haben eine Routine, der wir als Familie folgen. Manchmal haben wir Sachen geplant, manchmal nicht.

Für mich geht es beim unschooling darum, die Kinder auf ihr Leben in der Zukunft vorzubereiten und in der Schule geht es darum für die Zukunft gebildet zu sein. Ich will, dass meine Kinder lernen, wie man kocht, das ist Teil des Lebens. Sie wissen, wie man einen Haushalt führt, wie zum Beispiel waschen und ich will, dass sie wissen, wie man mit Geld umgeht. Kleine Dinge wie das sind essentiell. Aber natürlich brauchen sie die Grundlagen wie lesen und schreiben.

Mein Mann wollte eigentlich nicht, dass wir unschooling machen. Er akzeptiert es jetzt mehr, obwohl er glücklich darüber ist, dass unsere Ältesten (14 und 15) wieder in der Schule sind, was extrem strukturiert ist. Sie haben letztes Semester angefangen. Es reißt uns aus unserer Familienstruktur raus, weil sie so strukturiert sind.

Wir müssen nun früher aufstehen, es gibt nun zu Hause mehr Müdigkeit und Druck, die Schularbeiten zu machen. Sie hängen in der Schule ein bisschen hinterher, aber die schule ist nicht sehr besorgt. Sie können in ihrem eigenen Tempo arbeiten. Ich bin recht glücklich über diese Entscheidung.

Über unterschiedliche Lernstile

Als mein Sohn in die Schule ging, war er fünfeinhalb und eigentlich war er sehr aufgeregt schreiben zu lernen. Und ein Jahr später wollte er es nicht.

Er ist keine Papierkram Person, er ist ein praktischer Lerner. Deshalb hatte er viel time-outs drinnen während der Mittagszeit, weil er seine schriftlichen Arbeiten noch nicht abgeschlossen hatte.

Ich hatte viele Gespräche mit Lehrern und fragte: „Können Sie nicht nach draußen gehen und Kreide auf dem Boden verwenden, so dass er es dort schreiben kann?“

Oder „Kann er die Bauklätze verwenden, um dieses Wort zu buchstabieren?“ Und sie sagte: „Ja, er darf das, das kann er machen, wenn er seine schriftliche Arbeit fertig gemacht hat“.

Ich erreichte den Punkt, wo ich sagte: „Hey, er ist fünfeinhalb, rechtlich muss er nicht einmal hier zu sein bis er sechs ist.“ Also nahm ich ihn wieder heraus. Das ist ein echter Kampf gewesen. Aber es machte mir klar, dass einige Kinder sind so viel mehr praktische Lerner sind.

Er jetzt 12 Jahre alt, hasst es immer noch Papierkram fertig zu stellen und zu lesen. Er ist vielleicht immer noch auf dem Niveau eines 7-jährigen, wenn du ihn auf eine Altersstufe setzen willst. Wir lesen täglich eine Menge, aber er hasst es.  Aber er beginnt nun zu erkennen, dass er viele Dinge nicht so gut kann, weil er nicht die entsprechenden Lesefähigkeiten hat. Mein Sohn ist sehr interessiert an fischen und jagen und dafür muss er viele Dinge lesen, er muss sie kaufen und etwas über sie herausfinden.

Ich weiß, es ist nicht die traditionelle Art und Weise oder er lernt nicht die Worte, die er in der Schule lernen würde. Sein Ziel ist es offenbar ein Metzger zu sein, wir leben in einer ländlichen Gegend und haben Tiere. Wir schlachten sie selbst. Und er kann kleine Tiere selbst schlachten.

Das ist, was er in seiner Zukunft machen möchte und er verbringt viel Zeit damit, Dinge zu tun, die ein Teil davon sein könnten. Wenn er seine eigenen Tiere haben will, lernt er etwas über Zäune bauen oder wie man sich um Tiere kümmert. Es ist die ganze praktische Seite.

Aber meine beiden anderen Kinder sind anders: Meine 14-jährige ist ein sozialer Lerner. Er liebt es, in einer Umgebung zu sein, wo viele andere Menschen lernen. Und meine 15-jährige ist stärker strukturiert als ich und mag mehr das strukturierte Lernen in der Schule.

Sozialisieren

Meine 15-jährige könnte mit den anderen ihrer Altersgruppe befreundet sein, aber sie zieht eher Freunde vor, die jüngere Kinder sind. Sie schloss nie wirklich gute Freundschaften in der Schule, sie ist freundlich, aber ziemlich schüchtern und sie fühlt sich wahrscheinlich wohler mit jüngeren Kindern oder Erwachsenen.

Es ist interessant, weil das ganze Konzept der Schule sagt, sie sollten Freunde ihr eigenes Alter haben und für einige funktioniert das nicht. Meine 9-jährige liebt es Bücher zu lesen. Sie liebt es ihr Arbeitsheft zu machen, aber sie ist auch sehr leicht zu sein beeinflussen. Ich will nicht, dass sie von anderen Menschenschlecht beeinflusst wird.

Sie liebt den sozialen Aspekt und den sozialen Input, also treffen wir uns mit anderen Homeschoolern ein oder zwei Tage in der Woche. 

Vorteile von unschooling

Mein Mann hatte einen Unfall und war von seinem Fahrrad gestoßen wordenund es zog sich eine ganze Weile mit Krankenhaus und Reha. Es (unschooling) bedeutete, dass ich mich nicht um die Schule kümmern musste und die ganze Schulstruktur. Meine Kinder haben so viel gelernt über das Krankenhaussystem und das würden sie nie gelernt haben, wenn sie zur Schule gegangen wären.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sie sich durch Dinge durcharbeiten müssen. Sie lernen, mit Menschen auszukommen, die sie nicht mögen. Sie erfahren, als Team zu arbeiten, als Familien-Team und sich mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Zielen, Gedanken und Fähigkeiten klar zu kommen.

Es ist auch die Nähe in der Familie, man kennt seine Kinder sehr gut.

Zusammengefasst

Letzten Endes geht es darum, dass, wenn wir nicht leidenschaftlich zu einer Sache stehen, können wir es nicht lehren. Unschooling dreht sich darum, sich am Lernstil des Kindes und seinen Interessen zu orientieren. A

lso, wenn sie interessiert sind, wollen sie mehr wissen und sie lernen besser.

Deshalb mache ich mir keine Sorgen über die Lesefähigkeiten meines 12-jährigen, weil ich denke, dass ich schließlich den Knopf finden werde, sodass er lesen will.  Und deshalb wird er es vielleicht in 3 Monaten lernen, weil er es will und was er vielleicht in 5 Jahren gelernt hätte, wenn ich ihn dazu gezwungen hätte.

Und er ist an diesem Punkt, wo es ganz realistisch passieren könnte. Er ist so nah dran an dieser Idee. Es ist nicht so, dass er dem Lesen nicht ausgesetzt ist, es fehlt ihm nicht allen möglichen Wörtern ausgesetzt zu sein. Wenn er etwas buchstabieren will, fragt er mich danach; wenn wir an einem Schild vorbei fahren fragt er, was es bedeutet. Er kommt an diesen Punkt, an dem er frustriert ist. Das motiviert ihn.

Mein unschooling Ansatz ist: „Wenn sie etwas gelernt haben, dann ist das Fortschritt“.

Aber gleichzeitig ist es gut, über sich selbst zu reflektieren und dich zu fragen, „Hat es funktioniert oder nicht?“ Wenn es funktioniert, werde ich es für das nächste Kind verwenden. Oder wenn es nicht funktioniert, werde ich einen ganz anderen Stil versuchen.

Jedes Kind lernt anders. Es ist eine Sache der Persönlichkeit.  Und weißt du, unschooling ist eine Wahl des Lebensstils.

 

 

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