Bea (2/2)

„Ich glaube, das habe ich von den Russen, die Gastfreundlichkeit“

Das Leben in Russland hat mich schon irgendwie verändert. Deswegen jetzt auch der Blog Berlinograd. Ich habe hier viel mit Russen zu tun und dieses Leidenschaftliche hab ich auch. Ich brauch es manchmal, aus mir herauszugehen. Was Neues, Verrücktes machen. Einfach das Lebensgefühl spüren.

Was ich an Russen auch sehr mag ist, wenn du irgendwohin kommst, wirst du direkt eingeladen und das Essen wird hingestellt.

Wenn ich ein Interview mit Russen habe, dann werde ich in ihr Haus eingeladen und dann fragen sie mich „Willst du ein Glas Wasser?“ und ich sage „ja“ und dann wird ein Glas Wasser hingestellt, zwei Gläser, ne Flasche Cidre und dann wird mir erstmal Cidre eingekippt. Aber es wird nicht gefragt „Magst du ein Glas Cidre?“ Und es ist so selbstverständlich, dass ich ein Glas Cidre mittrinke.

Dieses „eingeladen sein“, „komm du kriegst erstmal was zu essen“, du wirst erstmal gemästet – das mag ich auch ganz gerne. Oder zum Beispiel, ich hab Geburtstag und Freunde bringen mir Ferrero Küsschen mit, dann werden die bei den Russen aufgemacht und auf den Tisch gestellt. Die Geschenke werden direkt serviert. Das Deutsche ist, die werden in den Schrank gestellt. Die guten Sachen werden rüber gestellt und später alleine gegessen.

Ich glaube, das hab ich von den Russen, die Gastfreundlichkeit. Nur das Beste für die Gäste. Ich glaube, das habe ich aus Russland mitgenommen.

Vor drei Jahren bin ich dann nach Berlin gezogen. Den Blog (etwas wie Berlinograd) habe ich überall gesucht. Den wollte ich gerne haben. Ein Reiseführer durch das russische Berlin, der die Menschen darstellt, die Idee hinter der sie stehen, was sie machen. Ein Blog, der die kreativen Menschen aus Berlin zeigt.

Einen Blog mit coolen Kneipen. Aber die Kneipen, in die ich auch in Moskau oder St. Petersburg gehe. Ein Blog über Plätze, die ich auch in New York gut finden würde. Unabhängig davon, ob die russisch sind, aber trotzdem zeigen, dass da Russen dahinter stehen. Das gab es nicht. Und da hab ich gedacht „Ich mach das jetzt selber!“

Und dann hab ich ein Jahr lang drüber geredet. Eine Freundin hat damals gesagt „Mach das mit dem Blog“ und sie hat es gepushed.

Jetzt mache ich den Blog schon seit zwei Jahren und es läuft sehr gut. Ich lerne dadurch wahnsinnig tolle Menschen kennen, mein Netzwerk ist mittlerweile wahnsinnig groß in Berlin, weil ich durch den Blog so viele Leute kennen gelernt habe. Ich muss schon sagen, es ist sehr viel Arbeit. Ich hab am Anfang immer wöchentlich ein Portrait gemacht, das schaff ich mit meinem Job nicht mehr. Ich versuche grade alle zwei Wochen zu posten, aber das ist auch schon schwer.

Ich treffe mich immer mit den Leuten, ich fahr immer zu ihnen in den Kiez. Also das Konzept ist, ich fotografiere den Menschen in seinem Kiez, in seiner Umgebung, weil der Russland-Deutsche ist Teil des Protagonisten, aber auch sein Kiez. Sein Viertel ist genauso Protagonist.

Ich organisiere auch Partys. Was sehr cool ist, ist, dass sich auf meinen Events ganz viele Leute gefunden haben und teilweise auch Projekte miteinander machen. Und das finde ich natürlich super. Ich find es schön, dass ich Leute auf diesen Partys zusammen bringe und sie sich austauschen können. Da sind Kameramänner, Drehbuchautoren, dass wenn man ein Projekt hat, man auch darauf zurückgreifen kann.

Ein Freund von mir hat mal gesagt „Anderen Leuten eine Bühne geben, ist das Schönste für mich“ und das kann ich sehr gut unterschreiben.

Denn das ist genau das, was ich mag: Leute zusammenbringen, verbinden, ihnen eine Bühne schenken.

Ich habe einen Nischenblog und erreiche trotzdem ein paar Leute und es ist total schön, weil es die Perspektive über Russen verändert.

Manche sagen „Ich fand Russen immer so doof, aber die Russen bei dir sind so cool“. Das ist sehr dankbare Arbeit.

Wollt ihr mehr über die russische Künstlerszene wissen? Dann schaut euch auf www.Berlinograd.com um!

 

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