6 Länder, 10 Städte, 4 Monate – Wo hat es mir am besten gefallen?

 

Meine Reise geht bald dem Ende zu. Zeit für einen Rückblick:

Mitte Juli ging es los, von Kiel aus runter in den Süden nach Zürich, wieder in den Norden, nach Kopenhagen, Schweden, Norwegen, danach ging es nach zwei kurzen Zwischenstopps in Kiel und Gut Sunder in die Niederlande und nun bin ich bis Anfang Dezember in Portugal.

 

Bei meiner Reise ging es vor allem darum, einen Ort in Europa zu finden, an dem ich mir vorstellen kann, zu leben. Deswegen (und wegen einem begrenzten Budget) war es mir auch so wichtig, Freiwilligenarbeit in den jeweiligen Ländern zu machen, um einen besseren Einblick in die Kultur und Traditionen zu bekommen. So habe ich zwar breitflächig weniger gesehen, dafür bin ich aber punktuell tiefer eingetaucht.

 

Zürich

 

Riecht nach Seewasser

Schmeckt nach Quinoa, Kale und Kohl

Sieht türkis und spießig aus

Fühlt sich klar, eben und abgerundet an

Hört sich brummend an

 

 

Für mich, als angehende Wildnispädagogin, ist die Natur rund um Zürich ein Traum! Berge, Wälder, See – eine tolle Mischung. Rauf auf den Uetliberg die tolle Aussicht über die Gegend genießen, sich am türkisen Wasser der Limmat satt sehen oder mit dem Boot über den Zürichsee nach Rapperswil-Jona fahren – ich kann gut nachvollziehen, warum Zürich immer zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität gewählt wird.

Ein kleines bisschen hat mich die Stadt aufgrund ihrer Umgebung an Vancouver erinnert, daher zählt Zürich für mich zu meinen Favoriten.

 

Luzern

Riecht nach Kaminfeuer, Regen, deftigem Essen und Kühen

Schmeckt nach feuchten Blättern

Sieht urig, grau und neblig aus

Fühlt sich mystisch an

Hört sich plätschernd, rauschend und klingend an

 

Ein kleiner, gemütlicher, uriger Ort, an dem man wunderbar einen Tag verbringen kann – zum Leben ist es mir dort allerdings zu klein.

 

Kopenhagen

 

Riecht nach Hortensien, Knoblauch, Flieder, einer kühlen lauen Sommerbrise

Schmeckt international und nach uralter Geschichte

Sieht vielfältig und friedvoll aus

Fühlt sich lässig an

Hört sich laut mit Inseln der Ruhe an

 

Kopenhagen und seine lässige Atmosphäre! Abends entlang der künstlich angelegten Seen (Sankt Jorgens So, Peblinge So, Sortedams So) flanieren, tagsüber im Assistens Kirkegard in Norrebro auf der Wiese liegen und lesen, durch Christiania spazieren und sich fragen, wie es die Menschen geschafft haben, solch einen Ort zu kreieren und zu erhalten, raus in die Vororte fahren und nach den „6 forgotten giants“ suchen – ich hatte ein paar tolle Tage in Kopenhagen!

 

Stockholm

Schmeckt nach Dr. Pepper

Riecht müllig, nach einer frischen Meeresbrise, nach Pfeife, nach Zimt

Sieht touristisch und monumental aus

Hört sich hämmernd an

Fühlt sich lebendig an

 

Ich muss zugeben, ich bin ein wenig enttäuscht von Stockholm. Vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen, da ich vorher oft gehört und gelesen hatte, wie toll die Stadt sei. Mir war sie zu überlaufen, überall Touristen, Autolärm, lautes Hämmern – mich konnte Stockholm nicht überzeugen.

 

Oslo

Riecht nach kalter, klarer Luft, blumig und kräuterig

Schmeckt nach Chipotle

Fühlt sich herbstlich, angenehm und nach warmen Sonnenstrahlen an

Hört sich sanft und klangvoll an

Sieht grün, liebend und kämpferisch und skulpturistisch aus

 

Egal ob unten am Hafen, in der Stadt entlang des Flusses (Aker) oder in Bygdoy – es finden sich immer Orte der Ruhe.

Ich habe selten eine Stadt in dieser Größe erlebt, die nicht von Autolärm beherrscht wird – was mit Sicherheit auf die vielen Elektroautos zurückzuführen ist.

Einer meiner Lieblingsorte in Oslo: Maridalsvannet im Norden der Stadt! Ein Spaziergang im Wald oder am Fluss entlang runter in die Stadt…unbedingt machen, es lohnt sich!

Besonders beeindruckt hat mich auch die Architektur: Die Mischung aus alten und modernen Häusern finde ich persönlich sehr gelungen.

Vom Grefsenkollen hat man übrigens einen tollen Ausblick über die Stadt!

Mein Fazit? Oslo ist mein absoluter Favorit! Wäre da nicht das Klima…

 

Bergen

Sieht hügelig, grün, steil, eng aus

Riecht wolkig

Hört sich leise und summend an

Fühlt sich warm und sonnig an

Schmeckt nach Lachs und Thunfisch

 

Ich hatte das Pech, dass ich zum Zeitpunkt der Fahrrad WM in Bergen war. Viele Straßen waren abgesperrt, überall Zaun, Zelte, Bühnen, Reporter und Menschen. Ein Spaziergang durch die Altstadt hat sich dennoch gelohnt.

Um dem Fahrradwahnsinn zu entgehen, bin ich rauf auf den Ulriken, von wo aus man eine wunderbare Aussicht über die Stadt und Umgebung hat!

 

Göteborg

Hört sich laut, bauig, brummend, knatternd, kinderlachig und kinderschreierisch an

Riecht nach gebratenem Fleisch, Lagerfeuer, gegrillten Würstchen, Knoblauch, Pflanzen, Blumen, Parfüm, Müll, Fleisch mit Rotkohl und Klößen, Softeis, Zimt, Seife

Sieht sonnig und kinderreich aus

Schmeckt käsig, zitronig, grün

Fühlt sich stürmisch, warm und kalt an

 

Hach, Göteborg, mein Favorit Nr. 3. Nicht zu groß, nicht zu klein. Am Wasser gibt es ein paar schöne, ruhige Fleckchen und in direkter Nähe zum Fischmarkt (Feskekörka) stehen am Wasser Bänke, die etwas breiter und geschwungen sind, dass man darauf wunderbar ein kleines Mittagsschläfchen machen kann 😉

Meinen letzten Tag in Skandinavien habe ich in Delsjön verbracht, ein See, der nur 15 Minuten mit dem Bus vom Stadtzentrum entfernt ist. Unbedingt empfehlenswert!

 

Amsterdam

Riecht nach Weihnachtsbonbons, frischem Fisch, frittiertem Fisch, grünem Rauch, Sandelholz und Autoabgasen

Sieht schief und verwegen aus

Hört sich vibrierend und laut an

Fühlt sich schwankend, ambivalent, hektisch, stürmisch und chaotisch an

Schmeckt würzig

 

Ich weiß nicht, was es dieses Mal war (letzten Sommer hat es mir ganz gut gefallen), aber Amsterdam konnte mich so gar nicht überzeugen. Vielleicht war es eine Mischung aus dem furchtbaren Wetter, den vielen Touristen und meiner Bleibe, wo ich mich nicht gerade wohl gefühlt habe…als Lebensort fällt Amsterdam leider raus.

 

Den Haag

Riecht nach rohem Fleisch, Eichen, Sand, Meer

Fühlt sich kalt, windig und befreiend an

Hört sich brummend, zwitschernd, singend an und kirchenglockig an

Schmeckt nach nassem Waldboden und windigem Sand

Sieht französisch, belgisch, britisch, friedlich aus

 

Leider hatte ich nur ein paar Stunden Zeit, Den Haag zu erkunden und ich hätte gerne mehr gesehen. Eine schöne Mischung aus alten Gebäuden, ruhigen Parkanlagen und weitem Strand, der bei windigem Wetter jede Menge Kitesurfer anlockt.

Ein Besuch lohnt sich allemal!

 

Lissabon

 

Hört sich wahnsinnig laut an

Riecht nach Pinien, Hundekacke, Eukalyptus und warmen Sonnenstrahlen

Schmeckt nach Schweinefilet in Rotwein und Metall

Sieht künstlerisch, bunt, geschäftig, überfüllt aus

Fühlt sich nach Sommer und Urlaub an

 

 

Ich schwanke sehr, was ich von diesem Ort halten soll. Ein tolle Altstadt, angenehme Temperaturen (18-20 Grad im November), immer windig, immer was los. Letzteres führt dazu, dass die Stadt, trotz Nebensaison, total überfüllt ist. Ruhige Orte gibt es kaum – und das stresst mich ungemein.

Als Städtetrip super, als Lebensort…auf keinen Fall.

 

Wie geht’s weiter?

Momentan vermisse ich die Ruhe und den Geruch von Petrichor, sehne mich nach grünen Hügeln und langen Wanderungen. Genau das könnte ich in meinem absoluten Favoriten Oslo haben, doch fallen die skandinavischen Städte aufgrund des Klimas raus.

 

Zwar hatte ich erst darüber nachgedacht, noch den Januar dran zu hängen, bis dahin irgendwo in der Sonne zu bleiben und erst ab Februar wieder einer bezahlten Arbeit nachzugehen, aber wie es der Zufall will, hat sich ein Jobangebot aufgetan, dass ich nicht ablehnen konnte…in Zürich.

 

Ich weiß nicht, ob das der richtige Schritt ist. Fakt ist: Ich muss erst einmal wieder Geld verdienen und hoffe, dass die Schweizer die Deutschen doch nicht soo sehr hassen, wie man überall im Internet liest 😉

 

Der Kreis schließt sich also und ich werde ab Mitte Dezember in Zürich wohnen

– erst einmal 😉

 

 

Mehr Infos zu Zürich, Luzern und Kopenhagen: http://weltenreflexion.de/rein-in-die-komfortzone/

Mehr zu Stockholm und Oslo: http://weltenreflexion.de/rein-in-die-komfortzone/

 

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